Beiträge von Ancarus

    Hallo Widulf,

    rein auf den germanisch heidnischen Ritus bezogen sind mir Glocken bisher nicht geläufig. Das spricht jetzt natürlich nicht automatisch dagegen, diese trotzdem für die eigenen Riten zu nutzen. Es fragt sich dann nur halt, wie?


    Grüße

    Ancarus

    Heil, Ancarus. Aber genau das ist ja meine Frage: Ab wann ist der Kreis geschlossen? Ich mein, jede haga (egal ob Steinkreis oder was auch immer) hat doch einen Eingang und somit eine Lücke. Gruß: Widulf

    Solch ein Eingang ist dann aber rein optischer Natur. Bei der magischen Einhegung sollte einmal der ganze Ritualplatz umrundet werden,



    Irgendwie denke ich in Kreisen . Geburt, Leben , Tot und Wiedergeburt . Der Lebenskreis . Wenn ich spazieren gehe , dann gehe ich am liebsten einen Rundweg.

    Ein richtiger und guter Gedanke


    Grüße

    Ancarus

    Grüße Widulf,

    ganz lieben Dank, das Du deinen Ritualablauf hier vorgestellt hast.



    Ein sehr schönes Blot. Ich hab mich für meinen Ritualablauf auch von anderen heidnischen Strömungen inspirieren lassen, aber immer darauf geachtet, das der Kontext germanisch bleibt.

    Das ist für mich der Kern von gelebter Tradition.



    Grüße

    Ancarus

    Hallo zusammen,

    das traditionell germanische Heidentum kennt acht Hauptfeste:


    Froblót

    Ostara

    Maifest

    Mittsommer

    Leinernte

    Herbstfest

    Winternacht

    Jul


    Zu allen Festen findet man mittlerweile hier etwas im Forum, denke ich. Es kann manchmal schwer sein, da den Überblick zu behalten, weil die Namen sich auch gerne von Gemeinschaft zu Gemeinschaft unterscheiden.


    Grüße

    Ancarus

    Heil Widulf,

    sich an den Bäumen zu orientieren halte ich für gut und richtig. Die Kreisform ist die überlieferte Forum und ist in ihrer Symbolik stark. Auch ist die Kreisform schlicht praktisch. Jedoch fällt mir kein Argument ein, was auch gegen eine andere Form der Einhegung spricht, so lange sie geschlossen ist. Gerade wenn der heilige Platz durch die natürliche Gegebenheit eine andere Forum zeigt.


    Grüße

    Ancarus

    Es gab/gibt doch eine Ritualgemeinschaft, welche sich rein auf etwaiges allemanisches Brauchtum beruft. MIr fällt leider der Name nicht mehr ein. Die waren auch mal im Asatru-Forum aktiv, vielleicht erinnert sich jemand?


    Grüße

    Ancarus

    oweit ich weiß, werden Willi und We oft mit Hönir und Loki identifiziert

    Worauf gründet denn so eine Gleichsetzung?



    Ich habe jetzt gesehen, dass ich mich sehr komisch ausgedrückt habe. Ich entschuldige mich dafür, in Zukunft werde ich das besser machen.

    Ich habe nichts verwerfliches aus deiner Formulierung erlesen.


    Grüße

    Ancarus

    Hallo Gaedr,


    In letzter Zeit befasse ich mich intensiver mit den Göttern und als ich mich über Loki informierte (meiner Meinung nach gute Quellen), stieß ich immer wieder auf die Info, dass Loki eigentlich von den Riesen abstamme, aber ja trotzdem ein Ase sei, die Eltern seien Laufey und Farbauti und wohl eine Verwandtschaft zu bestimmten anderen Riesen bestehe. Da ich das jetzt in vielen Quellen gelesen habe, nehme ich mal an, dass dies wohl die "richtige Version" Lokis sein muss.

    Loki ist ein Riese. Seine Verbindung zu den Asen ergibt sich durch seine, einstmal, geschlossene Blutsbruderschaft mit Allvater. Das macht Loki aber nicht zum Asen im eigentlichen Sinne.



    "Die Kuh Audhumbla leckte an den salzigen Eisblöcken, bis unter ihrer Zunge am dritten Tage ein Mann aus dem Block hervorkam, der war groß, stark und schön. Er nannte sich Buri und schuf aus eigener Kraft einen Sohn, des Name Bör war. Bör hinwiederum zeugte drei Söhne; Odin, Hönir und Loki; die waren mit göttlicher Kraft und Schönheit begabt."

    Das scheint mir eine freie Umdichtung zu sein. In der Gylfagynning steht:


    Sie (Audhumbla) leckte die bereiften Steine ab, die salzig waren. Am ersten Tag, an dem sie Steine leckte, kam aus ihnen am Abend Menschenhaar zum Vorschein, am zweiten Tag der Kopf eines Mannes. Am dritten Tag war ein ganzer Mann da; der wird Buri genannt. Er war von schöner Gestalt, groß und stark. Er hatte einen Sohn, der Borr hieß. Dieser nahm eine Frau, die Bestla hieß, die Tochter des Riesen Bölthorn, und mit ihr hatte er drei Söhne: der erste hieß Odin, der zweite Wili, der dritte We.


    ich habe zehn mal hin und her gelesen und versucht, herauszufinden, woher der Unterschied kommt und ob in meinem Buch nur eine Informationslücke besteht, aber ich kann es mir nicht erklären.

    Ich vermute mal, das dein Sammelband da etwas freier mit der Übertragung der Quellen ist. Die Gylfaginning findest Du auch frei verfügbar im Internet.


    Grüße

    Ancarus

    . Das traditionelle germanische Heidentum war mir bisher zu dogmatisch und zu einengend, aber vielleicht ist ja genau das viel näher an der Mentalität unser Ahnen dran, als dieses " jeder kann eh tun was er will, weil es bei uns ja keine Regeln gibt "-Denken.

    Es ist eigentlich, wie überall: So lange Gleichgewicht herrscht ist alles in Ordnung. So haben Dogmen eine wichtige Funktion. Es kommt nur halt darauf an, was man denn nun so als Dogma betrachtet. Ein Beispiel für einen unterschiedlichen Umgang mit Dogmen, kannst Du hier lesen: Zalmoxis und der Vegetarismus


    Unterbewusst bringt man da Dogmen vielleicht auch immer mit der katholischen Kirche zusammen. Die Glaubenssätze, welche ich als dogmatisch betrachte, sind aber mit jenen, der katholischen Kirche überhaupt nicht vergleichbar. Ich kann nur dafür plädieren, sich da von eigenen Vorurteilen zu lösen.


    Grüße

    Ancarus

    Die Isländer leben doch heute noch nach dem " ALTEN GLAUBEN " . Sie glauben an Naturgeister und verehren sie.

    Die Isländer sind recht vielfältig in ihren religiösen Vorstellungen, das ist wahr.



    : das es durchaus christliche Einflüsse in der Edda gibt (z.B. das gewisse Regionen Helheims als Orte der Strafe dargestellt werden)

    Das es Straforte gibt hat doch nicht automatisch etwas mit dem Christentum zu tun. Ehrloses und schädliches Verhalten hat Konsequenzen, auch im germanischen Heidentum.


    Aber vielleicht gibt es ja auch nichts zu filtern und die Parallelen zwischen Christentum und Heidentum (z.B. Ragnaröck/Tag des jüngsten Gerichts) haben andere Ursachen. Gruß: Widulf

    Das germanische Heidentum ist ja nicht das Anti-Christentum. Sicherlich gibt es auch Parallelen zwischen Christentum und germanischen Heidentum. Zum Einen liegt das daran, das dass Christentum enorm vom germanischen Heidentum beeinflusst ist (nicht umgekehrt) und zum Anderen, gibt es auch in der christlichen Ethik Dinge, die schlicht richtig sind. Einfach weil sie der gesunde Menschenverstand gebietet.


    Grüße

    Ancarus

    Hier ein Beispiel christlicher Verteufelung der Götter:


    Sagst du dem Teufel ab?

    und er soll antworten: ich schwöre dem Teufel ab.

    und allem Teufelsdienst?

    er soll antworten: und ich schwöre allem Teufelsdienst ab.

    und allen Teufelswerken?

    er soll antworten: und ich schwöre allen Teufels-Werken und Worten ab, Thunaer und Wôden und Saxnôte und allen Dämonen, die ihre Genossen sind.

    Glaubst du an Gott, den allmächtigen Vater?

    ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater.

    Glaubst du an Christus, Gottes Sohn?

    ich glaube an Christus, Gottes Sohn.

    Glaubst du an (den) Heiligen Geist?

    ich glaube an (den) Heiligen Geist.


    Das ist ein sächsisches Taufgelöbnis aus dem 8. Jahrhundert. Nachdem Karl der Große die heidnischen Sachsen unterworfen hat, hat die Kirche die "neuen Christen" das hier schwören lassen.

    Ich glaube das Frau Holle bei den Südgermanen bekannter war . Außerdem war die Hauptzeit der Wikinger erst zu der Zeit , als bei uns das Heidentum schon bekämpft wurde .

    Richtig und da liegt möglicherweise auch der Grund, warum der dunklere Aspekt von "Mutter Erde" nicht mehr so prominent überliefert ist, wie es noch bei den Nordgermanen oder den Hinduisten der Fall ist.



    Das wird jetzt zwar vielen hier so garnicht gefallen, aber ich denke schon, das die Edda, auch nicht unerheblich vom Christentum beeìnflusst wurde.

    Der Formulierung "nicht unerheblich" kann ich absolut gar nichts abgewinnen. Viele der mythischen Motive, welche in den Liedern der Edda beschrieben werden, sind uralt. Dieses, im Nachhinein, christliche Motive unterstellen, ist so eine alte Taktik der Kirche. Das meine ich jetzt nicht gegen dich, persönlich, aber ich bin etwas Müde, das diese Denkweise von so vielen Heiden übernommen wird.

    Keine Glaubensgemeinschaft ist so sehr darin bemüht, die eigenen Überlieferungen zu zerpflücken, wie es die germanischen Heiden sind.

    Immerhin liegen meines Wissens nach drei Jahrhunderte zwischen dem isländischen Heidentum und der Edda.

    Das ist auch so ein Gedanke, der auch gerade bei Heiden immer wieder auftaucht: Erst war das Heidentum und dann "Peng" Christentum. Gerade auf Island hat sich das Heidentum noch vergleichsweise lange gehalten und gerade die Isländer waren schon immer sehr bemüht, die eigenen Traditionen und Überlieferungen zu bewahren. Hätte das Christentum da wirklich diesen Einfluss gehabt, wären die beiden Eddas niemals entstanden.



    Ich denke mal das einerseits vieles an alten Überlieferungen verloren ging, das aber andererseits, Götter wie Loki und Hel auch absichtlich dämonisiert wurden. Ich weiß, diese Ansicht ist weder neu, noch besonders originell, aber es erscheint mir dennoch recht logisch.

    Loki und Hel wurden nicht erst in christlicher Zeit "dämonisiert". Zu mal die Kirche sich nicht einzelne Götter herausgesucht hat, um sie zu verteufeln, sondern alle Götter da über einen Kamm geschert hat.


    Mir ist es absolut bewusst, das ich da gegen den neuheidnischen Mainstream argumentiere, wenn ich sage: Loki und Hel wird nicht geopfert, aber für mich gibt es keine Überlieferung, kein Gedankenspiel, welches das für mich rechtfertigt.


    Grüße

    Ancarus

    Aber wie sieht es eigentlich mit der Unterweltsgöttin Hel/Hella aus? Einerseits gibt es ja viele, die ihr opfern (zumindest zum Ahnenfest), da die meisten von uns wohl in Helheim landen werden. Andererseits wird sie aber zu den Weltenfeinden gezählt.

    Hel ist nicht gleich Hel. Gerade in neuheidnischen Kreisen werden da verschiedene Aspekte in einen Topf geworfen, was sicherlich auch daran liegt, das die Quellenlage da nicht einfach zu verstehen ist. Auch weil wir wohl davon ausgehen müssen, das gewisse Überlieferungen auch einfach verloren gegangen sind.

    Nachfolgend versuche ich eine kleine Übersicht zu geben:


    Hel(heim) - Die Welt der Toten


    Hel ist die Welt der Toten. Das bedeutet, Valhalla, Folgswangr usw befinden sich in Hel. Das ist nicht leicht erlesbar aus den Quellen, aber Hel ist nicht einfach ein Haus, sondern ein ganzer "Landstrich".

    Die heutigen MIssverständnisse rühren wohl von den Wikingern, da ihre Überlieferung von Hel und Valhall nur noch verkürzt überliefert ist bzw da einen ganz bestimmten Schwerpunkt hat: Den Heldentod, Der wird an anderer Stelle wieder etwas revidiert, aber bei den meisten bleibt halt Valhalla = Kriegertod hängen. Dabei sagen nicht mal die Wikinger, das alle Schlachttoten nach Valhalla kommen, aber das will ich jetzt nicht weiter ausführen. Also wieder zu Hel:

    Verkürzt sagen die Wikinger, das Krieger, welche nicht auf dem Schlachtfeld sterben, nicht nach Valhalla kommen, sondern nach Hel. Stichwort: Strohtod. Ich gehe davon aus, das dies so gemeint ist, das dass Lebensziel eines Wikingerkriegers war, auf dem Schlachtfeld zu sterben. Stirbt also ein Wikingerkrieger nun außerhalb der Schlacht, hat er sein Lebensziel verfehlt und erhält kein Zugang zu Valhalla, er/sie muss in folge dessen durch Hel wandern. Dieses "Wandern" muss hier aber nicht als Umschreibung von "Obdachlosigkeit" gedeutet werden, sondern könnte bedeuten, das solche Menschen direkt wieder geboren werden, um ihr Lebensziel weiter zu verfolgen. Diese Thematik Krieger-Valhalla-Hel ist aber zu umfassend, als das ich jetzt hier davon weiter schreiben kann. Das würde sonst jeden Rahmen sprengen.

    Also kurze Zusammenfassung: Hel kann bzw ist die Umschreibung für die Welt der Toten, ganz allgemein.


    Hel - Die Riesin


    In den nordgermanischen Überlieferungen taucht dann Hel nicht nur als Bezeichnung für die Welt der Toten auf, sondern auch als die Bezeichnung für die Herrin, dieser Welt, Hel die Riesin. Das Bemerkenswerte ist hier, das Hel nur bei den Nordgermanen überliefert ist, alle anderen germanischen Stämme kennen sie nicht bzw es gibt da keine Überlieferungen (mehr). Dazu aber später mehr.

    Warum wird Hel nun aber als Riesin identifiziert?

    Der Tod hat viele Aspekte, wie jeder Teil der Existenz. So sind Götter und Riesen eben auch Primat über Aspekte. Deswegen gibt es mehrere Sonnengötter, Feuergötter usw. Hel ist der kalte, verlustbringende Aspekt des Todes. Dieser Tod mag nötig sein, aber er bringt keine Freude. Infolge dessen, wurde Hel nicht geopfert und man sollte hier auch heute nicht opfern. Niemand kann ernsthaft wollen, das diese Aspekte im eigenen Leben Stärkung finden.


    Hel - Frau Holle


    Der Tod ist aber nicht nur kalt und verlustbringend. Er verheißt auch Frieden und Rückkehr (auch in verschiedener Hinsicht). In diesem Aspekt finden wir Frau Holle. Wobei Frau Holle schlicht ein Beiname von Frigg ist, Mutter Erde. Frigg weiß die Geschicke aller Menschen, weil alle Menschen zu ihr zurückkehren. Denn die Toten gehen ja alle in die Erde. So umarmt uns Frigg nicht nur im Leben, sondern auch im Tod und verbindet uns so auch, in gewissermaßen, mit unseren verstorbenen Lieben.

    Ich plädiere ganz stark dafür, Frigg/Frau Holle zu opfern, wenn es um Ahnenfeste und ähnliches geht.



    Natürlich ist jetzt die Frage, warum die Südgermanen anscheinend die Riesin Hel nicht gekannt haben?


    Ich denke, das dieser Teil des südgermanischen Heidentums im Sand der Zeit verloren gegangen ist bzw vergraben wurde in den Tiefen von Volksmärchen und Mythen. Man muss sich halt auch vor Augen führen, das dass Christentum im Bereich der Südgermanen sehr viel früher und sehr viel stärker war, als es für lange Zeit im Bereich der Nordgermanen der Fall war. Uns ist unheimlich viel Wissen verloren gegangen.


    Nachtrag: Ich denke, das die Hindus, in dieser Vielschichtigkeit von Mutter Erde und Tod, die Göttin Kali erkannt haben.



    Nachtrag 2: Die Übersicht ist gröber ausgefallen, als zuerst von mir geplant. Sie ist damit bei weitem nicht vollständig. Es gibt so viele Aspekte, die man da betrachten könnte, aber ich denke das würde aber hier jeden Rahmen sprengen.



    Grüße

    Ancarus