Das Julfest / Mittwinterblót

  • Grüße!


    Das Julfest bzw. Mittwinterblót ist eines der wichtigsten und heiligsten Feste. Es beginnt am 21.12. zur Wintersonnenwende und dauert 12 Tage und Nächte, welche als Rauchnächte oder Weihenächte bezeichnet werden (Die Überlieferungen sind hier unterschiedlich). Wir feiern die Wiedergeburt des Lichtes oder der Sonne, die in der längsten Nacht des Jahres stirbt und danach wieder mit neuer Kraft strahlt. Zu Winternacht begann Ragnarök (die wilde Jagd beginnt "Ho, Ho, Ho aus dem Weg, ab dem Weg, damit keiner geschändet wird!"), doch nun wendet sich das Blatt wieder und den Göttern wird der Sonnengottsohn geboren. Die Tage werden länger und die Natur beginnt langsam wieder zu erblühen.


    Die darauf folgenden 12 Tage symbolisieren die "Neuerschaffung" der Erde und Rückkehr der Götter. Jeder Tag steht für ein Monat im neuen Jahr. Die 12 Tage entstanden dadurch, dass zwischen dem Mondjahr (354 Tage) und die Zeit von Sonnenwende zur der nächsten (365,24 Tage) in etwa 12 Nächte lagen. In dieser Zeit ist besonders darauf zu achten was man träumt und wie man sich verhält, jeder der 12 Tage ist als Orakel für das jeweilige Monat des nächsten Jahres anzusehen. Der letzte Abend der 12 Nächte (2. Januar) ist der Perchtenabend und symbolisiert durch Perchtenläufe geführt von Perchta (Frick) die Ablösung des alten Jahres durch das neue.


    Wir denken zu dieser besonders stark an unsere Götter und Ahnen und stärken diese durch Opfer und Räucherungen. Die Hauptgottheiten zu diesem Fest sind Wodan, Frigg und der Fruchtbarkeits-Feuer-Sonnengott Yngvi-Freyr. Besonders während der Rauchnächte ist es es üblich mit heimischen Pflanzen zu räuchern, um die "schädlichen" Wesen zu vertreiben und die "guten" anzulocken. Wir schmücken unser Haus mit immergrünen Pflanzen (Tannenbaum, Mistel etc.), welche symbolisieren dass uns die Götter auch in diesen schweren Zeiten nicht ganz verlassen und entzünden das Julfeuer. In der Zeit vor Jul ist es brauch an den 3 vorhergehendes Donnerstagen, den Klöpfelnächten, um das Haus zu gehen und mit einem Holzhammer oder Erbsen auf das Haus zu klopfen um schädliche Geistwesen zu vertreiben "Glück ins Haus, Unglück hinaus!".



    Das war eine kleine Zusammenfassung nach bestem Wissen und Gewissen des Julfestes. Falls etwas nicht korrekt sein sollte oder ergänzt werden muss, dann macht das bitte :).


    Die Quellen:

    • Die Wurzeln von Weihnacht und Ostern: Heidnische Feste und Bräuche - Geza von Nemenyi (sehr zu empfehlen für alle, die sich neu mit dem Thema beschäftigen sowie als Nachschlagewerk)
    • Germanische Mythologie - Wolfgang Golther (Sehr gut als etwas ausgiebigeres Nachschlagewerk geeignet)
    • Die Edda - Übersetzung durch Karl Simrock
    • und natürlich verschiedenste Mären und Sagen (z.B. Knecht Ruprecht)


    Viele Grüße,
    Philipp

  • Ich würde gerne noch einige Beiträge zu Jul nachreichen (falls keine Einsprüche kommen):


    Während die Vorjulzeit von einem männlichen wilden Reiter (d.i. Wodan) beherrscht wird, spricht man vielerorts in der Nachjulzeit Anfang Hartung von der Perchta/Berchte (Berta, Frau Holle, Holda, Fru Gode, Frau Frigg, Frau Harke, Schimmelfrau), einer weiblichen Erscheinung (d.i. Frija), die mal gut, mal böse ist. Auch hier gibt es „Perchtenläufe“, bei denen sich vor allem die Jugendlichen verkleiden und krachmachend durch die Gegend ziehen. Es scheint hier ein fruchtbarkeitsmagischer Bezug gegeben zu sein. So wird manchenorts an Obstbäumen gerüttelt („Schlafe nicht, Bäumchen, Frau Holle kommt!“) oder sie werden mit einem Strohseil umbunden und dann mit einer „Lebensrute“ geschlagen. Auch junge Mädchen wurden nach einem Thüringer Brauch (echte Thüringer dürfen sich gerne zu Wort melden!) mit einer solchen Rute geschlagen. In der Mehrzahl der Fälle scheint die Berchte aber eher gutmütig zu sein und im Haushalt nach dem Rechten zu sehen. Sie wacht aber wohl auch darüber, dass in den Zwölften nicht gearbeitet wird (vor allem das Spinnwerk hat zu ruhen!), und sie straft diejenigen, die gegen dieses Gebot verstoßen (also achtsam sein!).


    In manchen Überlieferungen wird die Berchte/Holle von „Heimchen“ begleitet, worunter man sich verstorbene oder ungeborene Kinderseelen vorstellt. Da mag etwas dran sein, ist es doch
    interessant, dass in der Vorjulzeit ein männlicher Reiter mit einem Totenheer durch die Lüfte zieht, wohingegen in der Nachjulzeit eine Frau mit einem „Kindertotenheer“ umherzieht. Beim christlichen St.-Martins-Umzug ist womöglich also eine Vermischung zweier Traditionen aufgetreten, indem aus dem wilden Kriegerheer des Wodan und der Kinderschar der Frija ein und dasselbe wurde (wie so oft gab es vielleicht auch regionale Abweichungen, die die Verschmelzung erleichterten), wobei gestorbene Kinder bei Frija sicherlich besser aufgehoben wären als bei Wodans wilder Schar der Schlachttoten. Und das Kriegerparadies Walhall scheint für Kinder ebenfalls ungeeignet im Vergleich zu Folkvang/Volkwang.


    An den weiteren Abenden der sogenannten Zwölfnächte (d.h. Rauhnächte) kann man ebenfalls zu Feiern zusammengekommen und es sollten auch die sogenannten Jul-Eide (jólaheiti) geschworen werden (also das heidnische Pendant zu den guten Vorsätzen von Silvester) und daraufhin der Jul-Becher (bragarfull) getrunken werden. „An diesem Abend wurden Eide geleistet. Der Opfereber wurde vorgeführt, die Männer hielten ihre Hand auf ihn und legten dann ein Gelübde ab beim Trinken des Eidesbechers.“ (Helgakviða Hjörvarðssonar). Man beschenkt sich auch Jul-Klapp (Egils saga Skallagrimsonar).


    Weiterhin gibt es die Tradition, den „Drei Schwestern“, den „Heiligen Schwestern“ oder „Saligen Fräulein“ (d.h. den Nornen) abends eine Opferschale zu füllen und über Nacht stehen zu lassen. Noch im 11. Jahrhundert war dieser Brauch der katholischen Kirche ein Dorn im Auge: „Hast du, wie manche Weiber es zu gewissen Zeiten zu tun pflegen, zu Hause einen Tisch aufgestellt mit Speis und Trank, damit jene drei Schwestern, die man in alten, törichten Zeiten Nornen nannte, kämen und davon genossen?“ (Bischof Burchard von Worms) Man kann damit also sogar noch einen alten Bischof dazu bringen sich im Grabe umzudrehen, lässt man diesen Brauch wieder aufleben. Hier kann man sich sicher sein, dass es ein echter Brauch war, bei der vehementen Bekämpfung.

    „Hver er þessi Lögsögumaðr? Hann er einn maðr.“


    - „...og hann stendr á helgan stein.“

  • Die doppel belegung der prechta/holle mythologie gleichsam als todes, wie auch als fruchtbarkeits mythos findet man auch im nordischen.
    dort wird das julfest primär mit freyr(durch den bereits genannten eber als freyrs heiliges tier) und odin (Jólnir) der die toten zu sich nimmt in verbindung gebracht.

    Ich binn nur für das verantwortlich was ich schreibe und nicht für das was ihr versteht!!!
    Wenn ich meine Meinung abgrenze darf dieses gerne wörtlich genommen werden