Ritualobjekte

  • Heil euch, liebe Mitheiden.

    Ich hab mich damals echt gefreut, als jemand im Asatruforum vorschlug, eigens eine Rubrik für Ritualgegenstände (ihre Herkunft, Symbolik, Verwendung oder auch Herstellung u.s.w.) ins Leben zu rufen.

    Leider wurde dann nur geschrieben, was die Leute so auf ihrem Altar haben, z.B. Eicheln, Tierknochen, Kieselsteine, Blumen oder was auch immer.

    Die Idee finde ich aber immer noch sehr gut, da heilige Gegenstände ja auch Teil des Kultes und seiner Ausübung sind.

    Vielleicht können wir das hier ja etwas besser hinbekommen,

    Ich denke da vor allem an die Leute, die sich da noch nicht so auskennen und erst einmal überlegen müssen, was für sie jetzt sinnvoll wäre oder was ( auch wenn es vielleicht cool aussieht ) am Ende nur als Staubgänger dient.


    Gruß: Widulf

  • Hallo Widulf!


    Also grundsätzlich bedarf es bei einem Ritual nicht sonderlich vieler Objekte. Natürlich kann man sich eine Kultstätte bauen, oder man hält es schlicht, die Wirkung ist (denke ich) die gleiche.

    Für mich persönlich ist dabei eine Einhegung wichtig und ein Altar. Diese beiden Dinge baue ich aus Ästen oder Rinden aus der Umgebung zusammen. Natürlich sind auch persönliche Gegenstände wie Ruf- und Trinkhörner dabei, sowie auch ein Mjöllnir oder ähnliches. Vor allem die Idee, für ein heiliges Ritual nur das zu verwenden, was mir die umliegende Natur bietet, finde ich sehr passend.


    Im Nachhinein baue ich aber zum Beispiel eine Einhegung wieder ab, damit sich dort keine Tiere verfangen (je nachdem wie stabil sie gebaut ist).


    Von all diesen Dingen ist in meinem Falle nichts langwierig hergestellt, außer das Trinkhorn. Dieses habe ich vor etwa 10 Jahren von einem Hornschnitzer herstellen lassen.


    Grüße!

  • Im Nachhinein baue ich aber zum Beispiel eine Einhegung wieder ab, damit sich dort keine Tiere verfangen (je nachdem wie stabil sie gebaut ist).

    Ihr könnt z.B. den Ritualplatz , wenn er öfters benutzt wird ,mit Haselnusssträuchern umpflanzen . Dann befindet sich der Ritualplatz in einem Haselnusshain .

  • Heil.

    Ich hab meinen Kultplatz im Wald, so angelegt, das er aus aufeinander gestapelten, dicken Ästen und schmalen Baumstämmen besteht, die weitgehend miteinander verwoben und verkeilt sind

    und somit nicht nur ein stabiles Konstrukt bilden, sondern auch ein gut sichtbares Hindernis für die Tiere, so das diese die Einhegung (die eine kleine Lichtung umgibt) schon von weitem sehen und umgehen können. Und da mein Platz schon seit Jahren existiert, scheint auch der Förster wohl kein Problem damit zu haben.


    Asenheil: Widulf

  • Heil.

    Ich wollte wieder auf das ursprüngliche

    Thema zurückkommen- Ritualobjekte im

    germanischen/ europäischen Heidentum.

    Ich hab ein bisschen in meinem persönlichen Nachschlagewerk "Hammer und Horn" gekramt und ein paar Sachen gefunden. Das ist jetzt nur der 1. Teil, bei Interesse hätte ich noch was zum Thema geweihte Kerzen, Zauber- bzw. Runenstab,

    heiliges Wasser, Räucherschale, Runensteine und ähnliches.


    Ritualhammer:

    Wie der Hammer (oder auch die Axt/ das Beil) im allgemeinen, versinnbildlicht auch der kultische Hammer- als Symbol der mythischen Waffe Donars, Stärke und Aktivität. Der Mjöllnir (Zermalmer) steht zudem auch für Segen, Schutz und Fruchtbarkeit.

    Als Zeremonialhammer wird er vor allem zu Weihezwecken verwendet.

    So werden mit ihm Kultplätze eingehegt,

    Objekte geweiht, aber auch ideelle Dinge, wie z.B. die Ehe, der Hausbau oder Bestattungen gesegnet. Dazu wird das Hammerzeichen (hamarsmark), in Form eines gestürzten " T ", über dem zu weihenden Ort oder Gegenstand gezogen

    (von oben, nach unten und von links, nach rechts),oder man legt den Hammer, auf das entsprechende Objekt. Der heilige Hammer wurde früher auch zur Bestimmung des Rechts auf Grund und Boden verwendet (Hammerwurf).

    Der Weihehammer kann aus Holz oder Metall bestehen, wobei als perfektes Maß für den Schaft, eine Länge von zwei übereinander gelegten Fäusten empfohlen wird.

    Auch altertümliche Hämmer eignen sich, wobei der Kopf des Dengelhammers, eine besonders starke Ähnlichkeit mit Donars

    Mjöllnir aufweist.


    Altarring:

    Oberarm- oder Handgelenkring aus Gold oder Bronze. Als Herrschaftssymbol wurde er vermutlich am linken Arm getragen.

    Er versinnbildlicht die Verbundenheit mit den Göttern und die Treue zu ihnen.

    Der (offene) Tempelring wird bei Eheleiten und Vertragsabschlüssen verwendet,

    vor allem aber beim leisten von Eiden und Schwüren. Dazu wurde der Ring (auch Eid- oder Schwurring genannt) früher in das Blut* eines geopferten Tieres getaucht und der auf dem Altar liegende Ring, vom Schwörendem mit der Hand berührt oder in der Hand gehalten. Der Eid wird vor den Göttern und der Gemeinschaft abgelegt und zur Verstärkung der Eidesanrufung mit der andere Hand, die entsprechende Götterfigur berührt.

    Als Schwurzeugen ruft man die Götter Wuldor/ Uller, Tiu oder die Göttin Vara an.

    Im Atli- Lied werden neben Ullers Ring, auch "die Sonne im Süden, Odins Berg und des Ehebetts Pfosten" als Zeugen benannt.

    Der Eidring wird vom Goden im Heiligtum verwahrt.

    Eide und Schwüre können aber auch auf einen Eber geleistet werden.

    Heutzutage erfreuen sich vor allem keltische Torques (gewundene Halsringe)

    grosser Beliebtheit. Diese müssen wohl auch nicht zwingend aus Edelmetall sein.

    Die Asatruer auf Island, schütten beim Blot, den Met durch die Öffnung des Ringes in das Trinkhorn.

    * Ersatzweise geweihter Met, Bier oder Wein.


    Blothorn:

    Ein ausgehöhltes Tierhorn (meist vom Rind), das bei Trankopfern und kultischen

    Umtrünken (Sumbel) Verwendung findet.

    Es kommt aber auch bei offiziellen Anlässen zum Einsatz, so wird z.B. der Willkommenstrunk für einen Gast darin kredenzt.

    Das Horn wird zumeist mit alkoholischen Getränken befüllt (Bier, Met, Wein) und traditionell weder abgesetzt noch hingestellt, bis es nicht zur Gänze geleert ist. Manche Ritualhörner sind ausschließlich dem Trankopfer vorbehalten, während man ein weiteres für den eigenen Gebrauch verwendet.

    Das Trinkhorn kann mit eingeritzten und gefärbten Runen/ Runeninschriften und auch anderen kultischen Symbolen verziert oder mit edlen Beschlägen versehen werden (Prunkhorn).


    Ritualtrommel/ Schamanentrommel:

    Ein mit Tierhaut bespannter Holzrahmen, zur Erzeugung ritueller Klänge.

    Während die Trommel in der alten Sitte, hauptsächlich der musikalischen Begleitung bei den Ritualen dient, versetzen sich die Schamanen, durch den monotonen Klang, der beim schlagen des Hohlkörpers entsteht, in einen extatischen Trance- Zustand. In diesem der Alltagsrealität entrückten Zustand, bringt die heilige Trommel den Schamanen in jede Welt oder Epoche, welche dieser bereisen möchte, weshalb sie auch als

    "Pferd des Schamanen" gilt. So findet sich auf dieser Trommel meist eine Abbildung

    (Mandala) der verschiedenen Welten

    (Himmelswelt, Mittelwelt, Unterwelt)*oder Zeiten (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft)

    Das Verwenden der Trommel- welche dem Schamanen als lebendiges Wesen gilt- geht oft mit der Einnahme psychoaktiver Pflanzen und Pilze einher, um den gewünschten Bewusstseinszustand zu erreichen.

    In der Asatru markiert das Schlagen der Trommel oft Beginn und Beendigung eines Rituals oder sie wird beim Blot, nach der Vorbereitungsphase verwendet, um sich entsprechend einzustimmen.

    Auch soll der Klang der Trommel gute Geister anlocken und böse vertreiben.

    Auf (neo-) germanischen Trommeln findet sich die vierfache, kreuzförmige Algiz- Rune oft als rituelle Verzierung.

    *Die Trommel symbolisiert auch den Weltenbaum, der diese drei Ebenen verbindet.


    Asengruss: Widulf