Das Forum lebt wieder

  • Ja, es war lange ruhig hier...


    Ich habe übrigens zu Beltane, am 18. Mai, zum Blauen Mond das erste Mal ein Ritual geleitet. Es war ein pan-heidnisches Ritual, an dem mehrere Hexen, ein Matronengläubiger, ein Druide, ein Jude, der Mitglied in einem britischen Wicca-Coven ist, andere, deren Glauben ich noch nicht genau kenne und ein pan-heidnischer Angelotheist (meiner-einer).

    Kommenden Samstag feiere ich mit Leuten aus den Eldaring-Rheingold ein Freya-Blót.


    Euch allen ein schönes Wochenende!

    Friede und langes Leben!

    (Sochya eh dif!)


    Kol-ut-shan

    (Vulkanisch (Star Trek) für: Unendlichen Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen)

  • ch habe übrigens zu Beltane, am 18. Mai, zum Blauen Mond das erste Mal ein Ritual geleitet. Es war ein pan-heidnisches Ritual, an dem mehrere Hexen, ein Matronengläubiger, ein Druide, ein Jude, der Mitglied in einem britischen Wicca-Coven ist, andere, deren Glauben ich noch nicht genau kenne und ein pan-heidnischer Angelotheist (meiner-einer).

    Wie so ein Ritual überhaupt wirksam sein soll erschließt sich mir nicht im Geringsten...

    Wie kann ein gläubiger Jude, dessen Gott andere Götter ausschließt wahrhaftig und aufrichtig an so etwas teilnehmen? Entweder ist es Blasphemie seines Gottes gegenüber oder es ist Blasphemie der heidnischen Götter.

    Eine tatsächliche reinliche Heiligkeit wird an so einem Ort nie erreicht werden...

    Ja, es war lange ruhig hier...

    Dann können wir ja ab jetzt dafür sorgen, dass es wieder lebhafter wird. :-)

  • Ich sehe das auch so. Außer wenn es gar nicht anders geht ( Trauerfeier für einen Bekannten, Taufe in der Familie usw ) besuche ich keine kirchliche Veranstalltung. Alle Naturgläubigen wären mir willkommen.

  • Wie so ein Ritual überhaupt wirksam sein soll erschließt sich mir nicht im Geringsten...

    Wie kann ein gläubiger Jude, dessen Gott andere Götter ausschließt wahrhaftig und aufrichtig an so etwas teilnehmen? Entweder ist es Blasphemie seines Gottes gegenüber oder es ist Blasphemie der heidnischen Götter.

    Eine tatsächliche reinliche Heiligkeit wird an so einem Ort nie erreicht werden...

    Tja, man sollte nicht vergessen, dass der Schutzgott Israels erst im Laufe der Geschichte dieses Volkes zum einzigen Gott wurde. Wahrscheinlich frühestens um 1000 v.d.Z., als zur Zeit Davids, eher später, zu Zeit des Babylonischen Exils, also um 500 v.d.Z.


    Dieser Jude ist von ähnlichem Schlag wie ich, was seine Religiosität angeht, er ist auf ähnliche Weise Monolatrist statt Monotheist, wie ich in den letzten zwei bis drei Jahren, als ich noch Christ war. Das heißt, dass er den Schutzgott Israels als einen unter vielen sieht, und nur diesen verehrt, jedoch die Existenz aller anderen Götter nicht infrage stellt. Folglich hält er sich an das erste Gebot (Keine anderen Götter neben JHWH zu haben bzw. zu verehren und anzubeten), räumt aber ein, dass es noch weitere Götter gibt, die respektiert, aber eben nicht verehrt und anbetet.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Wicca-Coven einen Juden aufnimmt, ohne ihn vorher auf Herz und Nieren überprüft zu haben!


    Eure Bedenken kann ich nachvollziehen, aber ich lebe auch nach der Philosophie, die ich als Signatur unten stehen habe, und die nichts anderes sagt als: Schau über Deinen Tellerrand und erweitere Deinen Horizont! Würde ich das nicht tun und hätte das vor vier bis fünf Jahren nicht schon gemacht, dann wäre ich heute noch immer Christ!


    Und noch etwas ist m.E. nach sehr entscheidend! Das Judentum ist keine Religion mit Missionsauftrag, ganz im Gegensatz zum Christentum und zum Islam! Gäbe es diese beiden Religionen mit Missionsauftrag nicht, dann würde es halt eine Religion geben, die nur einen Gott kennt, die aber nur eine unter vielen ist, von denen alle anderen mehrere Götter kennen.


    Und noch was (Insiderwissen als ehemaliger Theologiestudent): Es gibt eigentlich nur einen Grund weshalb das Judentum sich zu einer monotheistischen Religion entwickelt hat: Das Volk war damals ziemlich klein und unbedeutend*, also haben die Priester und Anführer etwas tun müssen, dass es sich stark fühlt (wie die Sache mit dem Zaubertrank bei Asterix). Und wie macht man das in einer Welt, in der es viele Völker mit vielen mächtigen Göttern gibt (vor rund 3000 bis 4000 Jahren)? Man stilisiert einen der eigenen Götter zum höchsten aller Götter hoch (Henotheismus bzw. Monolatrie) und wenn das nicht ausreicht erklärt man diesen Gott zum einzigen Gott und spricht allen anderen ihre Existenz ab.

    Der Erfolg liegt auf der Hand: Das Judentum und das Volk Israel existieren bis heute. Problem für dieses Volk: Aus seiner Mitte hat sich eine Konkurrenz-Religion entwickelt, das Christentum, und dann kam auch noch dieser Kaufmann aus Mekka und verwurstete Judentum, Christentum und alt-arabisches Heidentum zu einer dritten monotheistischen Religion! Beide missionarisch! Im Gegensatz zum Original (wenn man so will), denn Jude zu werde, wenn man nicht als solcher geboren wird, ist schwerer als die Konversion in jede andere Religion! Raus kommt man da viel leichter!


    Lange Rede, kurzer Sinn: Bei einem Juden, der die Geschichte seiner Religion kennt halte ich es für leichter sich zu sagen, dass sein Gott letztlich einer unter vielen ist, als bei einem Christen oder Mohammedaner, die ja beide auch noch den Auftrag haben den eigenen Monotheismus allen Menschen aufzudrängen, oder ihnen zumindest zu sagen, dass es besser wäre ihn anzunehmen!

    Ein Jude würde das nie tun, denn der hat keinen Missionsauftrag...


    Und wenn jemand einen Weg gefunden hat die Natur angemessen zu verehren, was ihm wohl ein großes Anliegen ist, wer bin ich ihn daran zu hindern, nur weil er meine Götter nicht verehrt? Ich verehre auch nicht alle Götter (die meisten kenne ich gar nicht), aber ich respektiere sie! Und wenn er seinen Gott verehrt, aber die anderen respektiert, so what?


    *Heute ist es noch immer sehr klein, aber nicht gerade unbedeutend. Naja, kommt auf die Sichtweise an...

    Friede und langes Leben!

    (Sochya eh dif!)


    Kol-ut-shan

    (Vulkanisch (Star Trek) für: Unendlichen Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen)

  • P.S.: Und bevor jemand meint ich wolle eine Lanze für das Judentum brechen, ja klingt so, aber letztlich lege ich nur die Fakten auf den Tisch, die ich als jemand der Theologie studiert hat kenne.

    Und was mir immer ein Anliegen ist: Es m.E. sehr wichtig in dieser globalisierten, multikulturellen Welt, dass man nicht nur sein eigenes Süppchen kocht, sonder über den eigenen Tellerrand hinausschaut. Dieser Jude, der am 18. Mai dabei war tut genau das, er bleibt nicht in seiner Synagoge, sonder er schaut was es sonst noch so an Möglichkeiten gibt, seine Spiritualität zu leben. Und was kann daran falsch sein?

    Wie es unten steht: Unendliche Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen.


    In diesem Sinne, Euch allen ein schönes Wochenende!

    Friede und langes Leben!

    (Sochya eh dif!)


    Kol-ut-shan

    (Vulkanisch (Star Trek) für: Unendlichen Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen)

  • Tja, man sollte nicht vergessen, dass der Schutzgott Israels erst im Laufe der Geschichte dieses Volkes zum einzigen Gott wurde.

    Ein Zeichen dafür, wie veränderbar und unstet dieser Glaube ist.

    Das heißt, dass er den Schutzgott Israels als einen unter vielen sieht, und nur diesen verehrt, jedoch die Existenz aller anderen Götter nicht infrage stellt.

    Folglich hält er sich an das erste Gebot (Keine anderen Götter neben JHWH zu haben bzw. zu verehren und anzubeten), räumt aber ein, dass es noch weitere Götter gibt, die respektiert, aber eben nicht verehrt und anbetet.


    Das ist doch Schön-rederei. Man kann sich auch selbst belügen. Also bitte.... Er nimmt an einem Ritual zugunsten der heidnischen Götter teil, bei dem man ernsthaft bei der Sache sein muss. Bei dem es um Reinheit des Glaubens ankommt. Bei dem man mit den Gedanken bei den Göttern ist. Bei dem man mit den Göttern spricht und sie anbetet...

    Und dann sagt er dass er ja niemand anderen anbetet? Dann hat er auch bei einem solchen Ritual nichts als Teilnehmer zu suchen. Denn entweder macht er tatsächlich mit, dann ist es eben doch Blasphemie oder er macht nicht mit und stört so die Reinheit und Heiligkeit des Rituals.


    Christentum und zum Islam! Gäbe es diese beiden Religionen mit Missionsauftrag nicht, dann würde es halt eine Religion geben, die nur einen Gott kennt, die aber nur eine unter vielen ist, von denen alle anderen mehrere Götter kennen.

    Auch im Judentum gibt es nur einen wahren Gott. Ob nun mit Missionierungsauftrag oder ohne.

    Und noch was (Insiderwissen als ehemaliger Theologiestudent): Es gibt eigentlich nur einen Grund weshalb das Judentum sich zu einer monotheistischen Religion entwickelt hat: Das Volk war damals ziemlich klein und unbedeutend*, also haben die Priester und Anführer etwas tun müssen, dass es sich stark fühlt

    Angenommen es gab tatsächlich mehrere Götter im Judentum (ursprünglich), wie kann man sich erdreisten mal eben so den anderen Göttern ihre Göttlichkeit abzuerkennen? Wenn Theologen im Studium so etwas lernen und das auch noch ungefragt hinnehmen, dann wundert mich nichts mehr. Auch hier wieder, wie unter dem ersten Zitat: Ein Zeichen dafür wie wandelbar und austauschbar dieser Glaube ist. Man bastelt ihn sich zusammen und wenn es einem nicht mehr passt, dann wird er halt umgebaut.

    Und wenn jemand einen Weg gefunden hat die Natur angemessen zu verehren, was ihm wohl ein großes Anliegen ist, wer bin ich ihn daran zu hindern, nur weil er meine Götter nicht verehrt?

    Er kann die Natur gerne verehren. Er kann gerne etwas für den Naturschutz tun und regelmäßig den Wald aufräumen oder ähnliches. Natürlich ist das gut und wichtig und niemand (auch ich nicht) will ihm das absprechen. Aber fremde Götter anbeten, an die man nicht glaubt, die man nicht als Götter anerkennt (für sich), dem spreche ich ganz klar ab an einem Ritual teilzunehmen, an welchem ernsthaft glaubende Teilnehmen wollen. Das ist natürlich nur meine Meinung.

    Und was mir immer ein Anliegen ist: Es m.E. sehr wichtig in dieser globalisierten, multikulturellen Welt, dass man nicht nur sein eigenes Süppchen kocht, sonder über den eigenen Tellerrand hinausschaut. Dieser Jude, der am 18. Mai dabei war tut genau das, er bleibt nicht in seiner Synagoge, sonder er schaut was es sonst noch so an Möglichkeiten gibt, seine Spiritualität zu leben. Und was kann daran falsch sein?

    Ich schau auch über den Tellerrand heraus. Denn sonst wäre ich auch immernoch Christ. Doch bin ich es nicht mehr. Unter anderem, weil mir dieses zusammenbasteln und umgestalten nicht gefällt. Aber da gibt's auch noch mehr Gründe.

    Glaube mir, Marcel, ich habe einiges durch. Und auch, wenn ich keine Theolige o.ä. studiert habe, so habe ich mich doch mit Islam, Christentum, Buddhismus und Taoismus beschäftigt, bis ich dann am heidnischen Glauben hängen geblieben bin. Ich behaupte also durchaus, dass auch ich über den Tellerand geschaut habe. Dennoch käme ich nie auf die Idee als Nicht-Christ in der Kirche den kirchlichen Gott anzubeten. Und warum nicht? Weil ich ihn respektiere und nicht abstreite, dass es ihn gibt. Aber ich glaube nicht an ihn und deshalb werde ich weder meine Götter betrügen, in dem ich den christlichen Gott anbete, noch werde ich den christlichen Gott belügen, in dem ich so tue als bete ich ihn an und meine es aber nicht so.


    Bezugnehmend auf deinen letzten und vorletzten Satz: Falsch, wenn man es so nennen mag, ist daran, dass er behauptet Jude zu sein (respektive Christ, Muslim oder Buddhist, etc.) und diesen Glauben auch auslebt. Sich dann nach etwas anderem umzuschauen, sogar andere Götter anzubeten, das ist für mich falsch.

    Entweder habe ich meinen Glauben, dann gehe ich auch davon aus, dass dieser richtig ist und bleibe ihm treu oder ich habe ihn nicht. Dann bin ich aber auch kein Christ, Jude, Muslim oder Buddhist mehr und bezeichne mich nicht als solchen.





    Ich möchte insgesamt noch sagen: Ich finde es gut, dass wir hier so sachlich diskutieren können :)

  • Du bringst mich zum Nachdenken...


    Und ja, das finde ich auch gut, dass wir dabei sachlich bleiben!

    Friede und langes Leben!

    (Sochya eh dif!)


    Kol-ut-shan

    (Vulkanisch (Star Trek) für: Unendlichen Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen)

  • So ein Pan-Religiöses-Ritual ist bestimmt ein tolles Happening, aber unter einem spirituell, religiös sinnstiftendes Ritual stelle ich mir etwas anderes vor. Es hat doch nichts mit "Über den Tellerrand schauen" zu tun, wenn man nun alle religiösen Sichtweisen in einen Topf wirft.


    Grüße

    Ancarus

  • Polenpaule (also Papst Johannes Paul II.) hat mit seinen interreligösen Treffen in Assisi auch einiges an Kritik abbekommen, und zwar von Konservativen aus den drei monotheistischen Religionen. Aber die meisten Leute fanden das gut.

    Ein Bekannter von mir (ziemlich streng römisch-katholisch) hat es nicht gut gefunden, dass eine Buddha-Statue bei diesem interreligiösen Treffen auf dem Tabernakel stand. "Ob sich da der arme Jesus (also das geweihte Brot im Tabernakel, das ja der Leib Christi ist) nicht unwohl gefühlt hat?", meinte er. Ich konnte schon damals, noch als Christ, nur innerlich den Kopf schütteln und fragte ihn warum er das meine. Ob er sich nicht vorstellen könne, dass Jesus und Buddha sogar gute Freunde sind (im Jenseits). Er war der Meinung, dass das vielleicht ... möglich wäre, aber eine Buddha-Statue auf einem Tabernakel, das gehe gar nicht!


    Viele Leute, die sich als der christlichen Religion zugehörig sehen, praktizieren ostasiatische Meditation und Kampfsportarten, bei denen Buddha und andere nicht christliche religiöse Figuren, darunter auch Götter verehrt werden. Konservative Christen, wie jener Bekannte von mir, finde das schrecklich und blasphemisch. Aber diejenigen, die das tun, tun das weil es ihnen gut tut. Sie kommen bei der Zen-Meditation zur Ruhe und schöpfen bei Aikido, Judo oder Karate kraft und lernen nebenbei wie man sich selbst verteidigen kann, wenn man angegriffen wird. Buddha oder z.B. hinduistische, chinesische oder japanische Gottheiten dabei zu verehren, das ist für diese Christen kein Problem. Sie gehen zum Gottesdienst in die Kirche, zur Meditation ins buddhistische Kloster oder den buddhistischen Tempel und zum Kampfsport machen sich viele auch mit Praktiken vertraut, die oft sehr ostasiatisch-religiösen Charakter haben.


    Das alles ist nur dann ein Problem, wenn man es zu einem macht, idem man scharfe Grenzen zieht und sagt, dass eine Vermischung der Glaubensrichtungen, Religionen und Kulturen nicht gut, nicht wünschenswert oder gar schlecht und destruktiv weil blasphemisch ist. Eine typisch menschliche Denkweise; Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und alles was neu, anders, horizonterweiternd oder einfach nicht der Gewohnheit entsprechend ist, wird (erstmal) abgelehnt. Ich bin mir siecher, dass Die Da Oben nicht so kleingeistig sind.

    Wir Menschen versuchen noch immer in unseren Kreisen, Sippen, Familien, Völkern, ... zu bleiben, und vergessen dabei, dass wir eine Menschheit sind, die einen Planeten und eine Zukunft haben. Jeder will sein eigenes Süppchen kochen und wenn jemand anders sagt "Tu doch mal etwas von diesem Gewürz rein" und man kennt das Gewürz nicht, dann heißt es "Nein!".

    So werden wir aber nicht weiterkommen! Das zeigt auch die EU-Wahl! Erschreckend viele Stimmen sind an EU-feindliche, rechte Parteien und Gruppierungen gegangen. Zum Glück aber auch an die Grünen und andere progressive Kleinparteien.


    Warum komme ich mit der EU-Wahl? Weil Politik und Religion in vielen Dingen sehr ähnlich sind! Sowohl hier als auch da gibt es konservative und progressive, ausschließende und offene Tendenzen. Und konservativ und ausschließend ist nicht zukunftsförderlich! Wer auf der Stelle bleibt oder gar rückwärts geht, wer nur bei sich bleibt und andere von vorne herein ausschließt, bleibt irgendwann auf der Strecke und wird abgehängt.


    Es gibt da ein schönes Bild: Wenn Du mit dem Rad fährst, dann kannst Du auf Dauer nur das Gleichgewicht halten, wenn Du dich vorwärts bewegst.

    Oder: Nur tote Fisch schwimmen mit dem Strom.

    Oder: Wer nur bei sich selbst bleibt, bleibt alleine.


    Und noch was: Das Judentum mach aufgrund seiner Geschichte eine ziemlich instabile Religion sein, oder unstet und veränderbar (zumindest in ihrer Anfangszeit), aber es besteht bis heute, trotz allen Anfeindungen und dem Holocaust...

    Friede und langes Leben!

    (Sochya eh dif!)


    Kol-ut-shan

    (Vulkanisch (Star Trek) für: Unendlichen Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen)

  • Viele Leute, die sich als der christlichen Religion zugehörig sehen, praktizieren ostasiatische Meditation und Kampfsportarten, bei denen Buddha und andere nicht christliche religiöse Figuren, darunter auch Götter verehrt werden.

    Eins schließt doch das andere nicht aus. Weder Meditation noch Kampfsportart sprechen entgegen Religion. Es kommt aber auch immer darauf an, was man daraus macht. Buddha ist kein Gott und war es auch nie. Er wird auch von Buddhisten nicht als einer anerkannt. Ja, sie beten/sprechen zu ihm, hoffen, dass er hilft. Er ist aber definitiv kein Gott. Auch andere Buddhistische Glaubensrichtungen haben keinen Gott in dem Sinne. Im Buddhismus kann man Erleuchtung durch sich selbst erfahren. Erleuchtung, und damit der Ausbruch aus dem Kreislauf des Lebens mag auf den ersten Blick entgegen heidnischer Religion stehen, tut es aber tatsächlich nicht. Im Christentum gibt es nun keine Wiedergeburt. Wer also Buddhist ist, kann m.M.n. kein Christ sein. Jedenfalls kein "echter". Den Kampfsport lasse ich da mal außen vor. Wobei dieser auch entgegen Christentum steht (halte die andere Wange hin), nicht aber gegen heidnischen Glauben.

    Sie gehen zum Gottesdienst in die Kirche, zur Meditation ins buddhistische Kloster oder den buddhistischen Tempel und zum Kampfsport machen sich viele auch mit Praktiken vertraut, die oft sehr ostasiatisch-religiösen Charakter haben.

    Wie gesagt: Wenn man Buddha nicht als Gott sieht (was er nicht ist) sehe ich da persönlich aus heidnischer Sicht kein Problem.

    Übrigens, da Du von ostasiatisch-religiös sprichst: Die meisten Ostasiatischen Religionen haben keinen Gott in dem Sinne. Weder Taoismus noch Shintoismus und auch kein Buddhismus.

    Das alles ist nur dann ein Problem, wenn man es zu einem macht, idem man scharfe Grenzen zieht und sagt, dass eine Vermischung der Glaubensrichtungen, Religionen und Kulturen nicht gut, nicht wünschenswert oder gar schlecht und destruktiv weil blasphemisch ist.

    Eine Vermischung von Glaubensrichtungen ist schlecht. Das solltest Du, als ehemaliger (Alt-)katholik (und damit eigentlich streng gläubig (gewesen)) wissen. Entweder glaube ich an etwas, dann ist es aber auch das (für mich) einzig richtige. Oder ich glaube nicht dran. Eine Vermischung (abgesehen innerhalb der heidnischen Religion), ein Ausbau oder Umbau gibt es nicht.

    Vermischung von Kultur, die, wenn auch nicht ausschließlich, schädlich sein kann, lasse ich auch hier außen vor, da es um Religion geht.

    Ich bin mir siecher, dass Die Da Oben nicht so kleingeistig sind.

    Bist Du das? Woher weißt du das?

    Stell Dir mal vor dein Vater würde jetzt plötzlich irgendwen anders als seinen Sohn sehen, weil du ihm gerade nicht mehr passt. Er würde dem neuen Sohn alles vererben, dich nicht mehr anerkennen und wenn doch, dann nur als irgendwas nerviges. So ist es umgedreht eben mit den Göttern. Dein Vater ist dein Vater. Und du bist und bleibst sein Sohn. Egal was passiert. Da wird auch nichts vermischt oder umgebaut oder sonstwas. Das wird immer so bleiben. Ich habe mehrere Väter, nämlich die Götter. Aber es sind die heidnischen Götter. Und da werde ich definitiv nicht irgendwas umtauschen, erweitern, oder sonstwas.

    und vergessen dabei, dass wir eine Menschheit sind, die einen Planeten und eine Zukunft haben.

    Hat aber nichts mit dem Glauben zu tun...

    Wer auf der Stelle bleibt oder gar rückwärts geht, wer nur bei sich bleibt und andere von vorne herein ausschließt, bleibt irgendwann auf der Strecke und wird abgehängt.

    Du sprichst hier über das Leben und über Fortschritt und damit hast du Recht. Ich spreche hier aber über Religion. Und natürlich entwickelt sich auch Religion weiter (z.B. keine Menschen-/Tieropfer mehr). Aber das Grundgerüst bleibt gleich.

    Und noch was: Das Judentum mach aufgrund seiner Geschichte eine ziemlich instabile Religion sein, oder unstet und veränderbar (zumindest in ihrer Anfangszeit), aber es besteht bis heute, trotz allen Anfeindungen und dem Holocaust...

    Richtig. Weil es bequemer ist. Die Menschen suchen immer den einfachen Weg. Sie bauen sich ihre Religion zurecht und lassen die alte Fallen. Deshalb gibt es den heidnischen Glauben hier in Europa kaum noch. Weil die Menschen daran festgehalten haben. Weil sie nichts verändern wollten und weil sie das was ist als wahr und richtig empfunden haben und sie wurden gezwungen es loszulassen.

    Der christliche Glaube oder auch das Judentum wandeln sich. Es wird so gebaut und umgeschrieben wie es gebraucht wird.


    - Homosexuelle waren/sind in der katholischen Kirche nicht recht. Es ist einfach falsch. Trotzdem entsteht jetzt die Diskussion, dass es halt doch dazugehört. Früher wäre daran nicht zu denken gewesen.

    - Frauen gab es früher schlicht nicht in Führungspositionen der katholischen Kirche. Plötzlich muss man aber über eine Frauenquote nachdenken.

    - Die Ehe der Priester war ursprünglich OK, dann doch wieder nicht, um sie nicht vom Glauben/Beten abzuhalten und nun steht es wieder zur Dikussion

    - der wöchentliche Kirchenbesuch war gesetzt. Das war ein fixer Termin an dem es nichts zu rütteln gab.

    - Gleichgeschlechtliche Ehe war früher ein Unding. Heute akzeptiert es die Kirche.

    - Abtreitung hätte es früher niemals gegeben. Heute ist es für viele in der christlichen Kirche durchaus OK.

    - Andere Götter zu verehren ist gänzlich falsch. Aber "heilige" anzubeten ist in Ordnung.


    Das (angeblich) von Gott gegebene wird mit der Zeit umgeschrieben oder uminterpretiert, so dass es eben passt. Und genau das macht es für mich zu einem nicht vereinbaren Glauben. Etwas was angeblich von Gott gegeben wurde, kann ich nicht einfach verändern, nur weil es eben gerade zur Gesellschaft passt.


    Das hat alles nichts mit weiterentwickeln oder Fortschritt zu tun. Das ist Veränderung des Glaubens, damit es mir leichter fällt.

    Das ist unstet und schwach.

  • Ich kann mich hier Snoopy anschließen, möchte aber auch noch etwas eigenes dazu schreiben:


    Meditation und Kampfsport sind nicht mit einem Blót/Opfer zu vergleichen. Das Heidentum ist sehr viel offener, als es die abrahamistischen Religionen je waren oder sind. Sich an "fremden" Kampfformen oder Meditationspraktiken zu "bedienen" stellt keinerlei Problem dar. Darum geht es mir überhaupt nicht. Mir geht es um das Blót/Opfer.


    Das Blót ist absolut und unbedingt heilig und diese Heiligkeit bedingt einfach von sich aus ein paar Dinge. Um das jetzt hier aber nicht ausarten zu lassen, beschränke ich mich dabei auf einen Aspekt, nämlich die Anrufung:


    Die Anrufung ist grundlegender Bestandteil des Blóts, denn der Gott oder die Götter sollen ja auch anwesend sein, sonst ist das Opfer wirkungslos. Damit die Anrufung (und auch das gesamte Blót) die richtige Wirkung entfaltet, braucht es (spirituelle) Energie. Diese Energie muss gebündelt und zielgerichtet sein. Gibt es nun aber 10 Teilnehmer mit 10 verschiedenen Götter- und Glaubensvorstellungen, ist es so, als wenn man diese Energie durch ein Prisma jagt, sie zerstreut sich in alle Himmelsrichtungen.


    Ich opfer nicht unser heiligstes Ritual dem Zeitgeist. Ich weiß, das dass voll uncool ist, weil es In ist, alle Normen und Regeln über Bord zu werfen. Nur einige dieser Normen und Regeln sind aber aus gutem Grund seit tausenden von Jahren da.


    PS: Anglotheist, in deinen Texten lese ich einen gewissen Vorwurf heraus, das wir hier engstirnig und illiberal sind. Das traditionelle germanische Heidentum ist weit offener und größer in seinem Kosmos der Möglichkeiten, als es die monotheistischen Religionen je sein könnten.


    Grüße

    Ancarus

  • Ich merke, dass unsere Positionen und Ansichten zum Teil doch sehr weit auseinander liegen. Zumindest bei dem aktuellen Thema.

    Wir könnten jetzt noch ewig hin- und herreden und uns gegenseitig unsere Meinungen kundtun, aber das führt auf die Dauer zu nichts.

    Lassen wir es also dabei bewenden, Ihr habt Eure Meinung, ich meine. Das ist unser gutes Recht!

    Friede und langes Leben!

    (Sochya eh dif!)


    Kol-ut-shan

    (Vulkanisch (Star Trek) für: Unendlichen Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen)