Yggdrasil (und Allvater Odin)

  • Für mich eines der faszinierendsten Symbole unseres Glaubens. Sowohl wegen seiner Bedeutung, als auch seiner Vielschichtigkeit. So symbolisiert, nach meiner Meinung, der Weltenbaum das Sein an sich. Yggdrasil ist also die grundlegende und absolute Essenz der Existenz. Das ist auch möglicherweise der Grund, warum unsere Überlieferungen nichts über die Erschaffung Yggdrasil´s berichten: Die Erschaffung des „Seins“ ist ein Mysterium, welches eben nicht beschrieben werden kann. Wie will man auch etwas in Worte fassen, wofür es keine Worte gibt?


    Dahingehend sehe ich auch eine ganz enge Verbindung zwischen Allvater und Yggdrasil. Dies wird auch schon am Namen deutlich: Yggr, bedeuted in etwa „Der Schreckliche/Schrecklicher“ welcher auch ein Beiname Allvaters ist und Drasill ist das Pferd. Yggdrasil ist also das Pferd des Schreckers.

    Dies ist auch insofern logisch, weil der Weltenbaum die Neunwelten miteinander verbindet und Allvater ist ja der „Wanderer der Welten“. Yggdrasil ist aber nicht nur das Verbindungsstück zwischen den Welten, sondern viel mehr das Gerüst, auf welchem die neun Welten aufgebaut sind → Ohne „Sein“ keine Existenz.


    Vielleicht liegt hier auch der Grund, warum Allvater zur Kenntnissuche, sich selbst in den

    Weltenbaum gehängt hat und so die Runen „fand“:


    Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum

    Neun lange Nächte

    Vom Speer verwundet, dem Odhin geweiht,

    Mir selber ich selbst

    Am Ast des Baums, dem man nicht ansehen kann

    Aus welcher Wurzel er sproß


    Die Runen bilden die Essenz der verschiedenen (Natur)Kräfte, welche die ganze Existenz durchströhmt und somit dem „Sein“ überhaupt erst Form verleiht. Odin hat also, symbolisch, das absolut grundlegende „Sein“ betrachtet, es „durchschaut“. Heute würde man wahrscheinlich sagen, das er Erleuchtung fand. Eines der Mysterien dahinter ist natürlich, das Allvater vorher schon das Wissen hatte, er uns aber wieder ein Beispiel gibt, wie wir selbst auch „Erleuchtung“ finden können. Ich sehe hier aber noch ein weiteres Mysterium: Ich glaube, das Yggrdasil eine Erscheinungsform von Odin selbst ist. Bevor Allvater auch Odin wurde, war er schon Allvater. Er ist durch alle Zeiten. Wenn man also den Zeitpunkt vor der Schöpfung bedrachtet, wo nichts ist, dann ist dann doch Allvater und zwar in der Erscheinungsform Yggdrasil´s → Der reinen Form des grundlegenden „Seins“. Odin, Allvater hat also aus sich selbst heraus sowohl Existenz, als auch Wissen/Erleuchtung gefunden.

  • Hallo Ancarus,


    danke für die Ausarbeitung.


    Ancarus schrieb:

    Yggdrasil ist aber nicht nur das
    Verbindungsstück zwischen den Welten, sondern viel mehr das Gerüst,
    auf welchem die neun Welten aufgebaut sind → Ohne „Sein“ keine
    Existenz.


    Ich glaube das Yggdrasil die Grundstuktur des Universums ist. Das Skelet wenn man so will. Yggdrasil umschließt das Weltenmeer oder umgibt es und Allvater (auch die Göttter) sind für mich nicht blose irdische Naturkräfte, sie finden sich auf allen Welten da draußen.


    Nicht umsonst, ist die Irminsul die Weltensäule/Allsäule.

  • Heil. Ich habe schon seit vielen Jahren einige Fragen zur "Erschaffung des Seins", z.B. Nebelheim und Funkenheim, welche ja schon vor den Asen und selbst vor den Riesen existierten. Wer hat sie erschaffen? Ich hab schon öfters über ein -angeblich den Göttern übergeordnetes- Schöpferwesen namens Fimbultyr gelesen. Aber ging dieser Titel später lediglich auf Wotan über, oder kann man ihn quasi als eine Art physische Inkarnation dieser (vermutlich ätherischen) Urgottheit betrachten; das nach dem Urknall, als Fimbultyr aus sich selbst heraus die materielle Existenz schuf, auch ein Teil seiner Selbst stofflich wurde? Und könnte es sein das Wotans zwei Vorväter (Buri und Bor), sowie seine zwei Brüder (Hönir und Lodur) eher Aspekte des Allvaters darstellen (drei Generationen mal drei Brüder), welche mit ihm zusammen, sogesehen (3×3) die heilige Zahl neun ergeben? Falls ich mit meinen Gedankengängen nicht komplett auf dem Holzweg bin, würde das bedeuten, das es Wotan selbst war der aus dem Eis geschaffen wurde, dann würde auch der (norddeutsche?) Erntespruch einen Sinn ergeben:" Er wurd NICHT GEBOREN und wird nicht aĺt- Wold, Wold, Wold" (Wold=Wotan). Vielleicht weiht er sich auch deshalb dem Odhin, also er sich selbst?! Sind nur ein paar Ideen die mir schon länger durch den Kopf gehen. Gruß: Widulf

  • Hallo Widulf,

    Falls ich mit meinen Gedankengängen nicht komplett auf dem Holzweg bin, würde das bedeuten, das es Wotan selbst war der aus dem Eis geschaffen wurde, dann würde auch der (norddeutsche?) Erntespruch einen Sinn ergeben:" Er wurd NICHT GEBOREN und wird nicht aĺt- Wold, Wold, Wold" (Wold=Wotan). Vielleicht weiht er sich auch deshalb dem Odhin, also er sich selbst?! Sind nur ein paar Ideen die mir schon länger durch den Kopf gehen. Gruß: Widulf

    ich möchte mal Vorab sagen, das ich deine Gedankengänge sehr mag.


    z.B. Nebelheim und Funkenheim, welche ja schon vor den Asen und selbst vor den Riesen existierten. Wer hat sie erschaffen?

    Ich gehe davon aus, das dies Allvater war. Mir ist aber jetzt keine Überlieferung bekannt, welche die Erschaffung von Nebelheim und Funkenheim beschreibt. Die Erschaffung von Yggdrasil wird ja auch nirgends beschrieben. Jedoch ist Allvater, halt Allvater und daher gehe ich auch davon aus, das er eben auch jene Welten erschaffen hat.


    Ich hab schon öfters über ein -angeblich den Göttern übergeordnetes- Schöpferwesen namens Fimbultyr gelesen. Aber ging dieser Titel später lediglich auf Wotan über, oder kann man ihn quasi als eine Art physische Inkarnation dieser (vermutlich ätherischen) Urgottheit betrachten; das nach dem Urknall, als Fimbultyr aus sich selbst heraus die materielle Existenz schuf, auch ein Teil seiner Selbst stofflich wurde?

    Nach meinem Verständnis ist die ganze Existenz in verschiedenen Ebenen unterteilt und in all diese Ebenen inkarniert sich Allvater. So sind Fimbultyr, Bori, Bor, ja selbst Wodan jeweils die Inkarnationen Allvaters auf den verschiedenen Ebenen der Existenz. Ich denke, wir haben da den gleichen Gedanken.


    Und könnte es sein das Wotans zwei Vorväter (Buri und Bor), sowie seine zwei Brüder (Hönir und Lodur) eher Aspekte des Allvaters darstellen (drei Generationen mal drei Brüder), welche mit ihm zusammen, sogesehen (3×3) die heilige Zahl neun ergeben?

    Hönir und Lodur habe ich bisher nicht als Erscheinungsformen, Allvaters, in Betracht gezogen. Vielen Dank für diesen Gedanken. Da werde ich mir die kommenden Tage Gedanken machen. Jedoch bin ich absolut davon überzeugt, das die Zahlengröße 3 da absolut eine wichtige Rolle spielt.



    Falls ich mit meinen Gedankengängen nicht komplett auf dem Holzweg bin, würde das bedeuten, das es Wotan selbst war der aus dem Eis geschaffen wurde, dann würde auch der (norddeutsche?) Erntespruch einen Sinn ergeben:" Er wurd NICHT GEBOREN und wird nicht aĺt- Wold, Wold, Wold" (Wold=Wotan). Vielleicht weiht er sich auch deshalb dem Odhin, also er sich selbst?! Sind nur ein paar Ideen die mir schon länger durch den Kopf gehen. Gruß: Widulf

    Ich finde, Du bist da überhaupt nicht auf dem Holzweg. Ich habe die gleichen Überlegungen:

    Allvater ist aus sich selbst heraus entstanden. Der Eddavers:


    Ich weiß, daß ich hing am wichtigen Baum

    Neun lange Nächte,

    Vom Speer verwundet, dem Odhin geweiht,

    Mir selber ich selbst,

    Am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann

    Aus welcher Wurzel er sproß


    Ist ein Echo dieser Selbsterschaffung. Es ist ein Mysterium, in dem große Schönheit liegt. Das man nicht sehen kann, aus welchen Wurzeln Yggdrasil sproß ist auch eine Umschreibung dieses Mysteriums. Den grundsätzlichen Beginn des "Seins" lässt sich nicht beschreiben, noch begreifen.


    Grüße

    Ancarus

  • Heil Ancarus, danke für die Antwort. Ich möchte jetzt nicht mit Horror- oder Fantasy- Literatur anfangen, da es hier ja um Religion geht, aber in Stephen Kings Buch "Es" ist es interessant zu lesen, wie Es in mehreren Aspekten existiert: einmal sein stofflich gewordener Anteil in unserer Welt, das der Mensch nur als riesige Spinne sehen kann, weil es dem am nächsten kommt, was wir (mit unseren unzureichenden Sinnen) gerade noch wahrnehmen können, dann sein anderes Ich im Makroversum und hinter dessen Augen wiederum, die wahre Gestalt aus sich windenden, kaltem Licht, deren Anblick jedem Sterblichen den Verstand raubt oder den Tod bringt, da unser Gehirn die tatsächliche Erscheinungsform nicht verarbeiten kann. Ähnlich verhält es sich bei W. Hohlbeins " der Hexer", wo die Geometrie der Bauwerke, welche die "Götter von den Sternen" schufen, sich der Betrachtung des Menschen entzieht, da es dort Winkel und Rundungen in deren Architektur gibt, die nach menschlichem Ermessen, gar nicht existieren dürfen/ können. Ich wollte mit diesen Beispielen ja auch nur sagen, das wir Menschen für die Wahrheit hinter der Wahrheit, vielleicht auch gar nicht geschaffen sind. Gruß: Widulf