Das Gastrecht

  • Hallo zusammen,
    im Thema Heidnische Lebensweise im Alltag kam das Thema "Gastrecht" auf. Ich finde dieses Thema so wichtig und interessant, das ich diesem Thema gerne einen eigenen Thread widmen möchte.


    Zur Einleitung habe ich einmal die Verse aus dem Hávamál gesammelt, welche das Gastrecht betreffen. Dabei habe ich unterteilt, welche Verse für den Gastgeber gelten und welche für den Gast. Die Unterteilung ist natürlich rein subjektiv von mir vorgenommen und darf natürlich gerne ergänzt bzw auch selbst diskutiert werden.


    Administrative Anmerkung:
    Aufgrund der aktuellen politischen Lage (Zustrom von Flüchtlingen) ist dieses Thema nicht ganz unproblematisch. Dennoch erwarte ich, dass sich hier jeder mit Maß und Anstand zum Thema äußert und zwar vornehmlich religiös.

  • Aus dem Havamal


    Gastgeber


    2 Heil dem Geber! Der Gast ist gekommen:
    Wo soll er sitzen?
    Atemlos ist, der unterwegs
    Sein Geschäft besorgen soll.


    3 Wärme wünschtder vom Wege kommt
    Mit erkaltetem Knie;
    Mit Kost und Kleidern erqucke den Wandrer,
    Der über Felsen fuhr


    4 Wasser vedarf der Bewirtung sucht,
    Ein Handtuch und holde Nötigung.
    Mit guter Begegnung erlangt man vom Gaste
    Wort und Wiedervergeltung


    51 Die Gabe muss nicht immer groß sein:
    Ofterwirbt man mit Wenigem Lob.
    Ein halbes Brot, ein Neig im Becher
    Gewann mit wohl den Gesellen


    Gast


    5 Witz bedarf man auf weiter Reise
    Daheim hat man Nachsicht.
    Zum Augengespött wird der Unwissende,
    Der bei Sinnigen sitzt.


    6 Doch steife sich Niemand auf seinen Verstand,
    Acht hab er immer.
    Wer klug und wortkarg zum Witze kommt
    Schadet sich selten;
    Denn festern Freund als kluge Vorsicht
    Mag der Mann nicht haben.


    7 Vorsichtiger Mann, der zum Male kommt,
    Schweigt lauschend still.
    Mit Ohren horcht er, mit Augen späht er
    Und forscht zuvor verständig


    16 Der Tölpel glotzt, wenn er zum Gastmal kommt,
    Murmeld sitzt er und mault,
    Hat er sein Teil getrunken hernach,
    So sieht man welchen Sinns er ist


    18 Lange zum Becher nur, doch leer ihn mit Maß
    Sprich gut oder schweig
    Niemand wird es ein Laster nennen,
    Wenn du früh zur Ruhe fährst


    19 Der gierige Schlemmer, vergißt er der Tischzucht,
    Schlingt sich schwere Krankheit an;
    Oft wirkt Verspottung, wenn er zu Weisen kommt,
    Törichtem Mann sein Magen.


    20 Selbst Herden wissen, wann zur Heimkehr Zeit ist
    Und gehen vom Grase willig;
    Der Unkluge kennt allein nicht
    Seines Magens Maß


    26 Ein unkluger Mann, der zu Andern kommt,
    Schweigt am Besten still.
    Niemand bemerkt, dass er nichts versteht,
    So lang er zu sprechen scheut.
    Nur freilich weiß wer wenig weiß
    Auch das nicht, wann er schweigen soll


    30 Klug düngt sich gern, wer Gast den Gast
    Verhöhnend, Heil in der Flucht sucht.
    Oft merkt zu spät, der beim Male Hohn sprach
    Wie grämlichen Feind er ergrimmte.


    31 Zu oft geschieht, dass sonst nicht Verfeindete
    Sich als Tischgesellen schrauben.
    Dieses Aufziehn wird ewig währen
    Der Gast grollt dem Gaste.


    32 Der Zeiten nehme den Imbiß zu sich,
    Der nicht zu guten Freunde fährt.
    Sonst sitzt er und schnappt und will verschmachten
    Und hat zum Reden nicht Ruhe.


    34 Zu gehen schicht sich, nicht zu gasten stets
    An derselben Statt.
    Der Liebe wird leid, der alnge weilt
    In des Andern Haus


    65 An manchen Ort kam ich allzufrüh;
    Allszuspät an andern.
    Bald war getrunken das Bier, bald zu frisch;
    Unlieber kommt immer zur Unzeit


    66 Hier und dort hätte mir Labung gewinkt,
    Wenn ich des bedurfte.
    Zwei Schinken noch hingen in des Freundes Halle,
    Wo ich Einen schon geschmaust.

  • Hallo Sverker,
    Gast ist ein indogermanischer Begriff. Ganz ursprünglich bedeutete dieser Begriff wohl einfach "Fremder" bzw "Fremdling". Die Bedeutung des Begriffs hat sich aber auch schon recht früh so gewandelt, das unter Gast etwas positives zu verstehen ist.


    Grüße
    Ancarus

  • Zitat

    Es handelt sich um eine Person die " eingeladen " wird, auf bestimmte Zeit, zu bleiben.


    Stimmt, jedoch ist das schon die spätere Entwicklung des Begriffs.


    Gast, abgleitet vom Germanischen Gasti, was wiederum auf das indogermanische ghosti zurückgeht, welches "Fremder" oder "Unbekannter" bedeutet. Das nun aber nur als Randnote. Im Hávamál ist der Begriff "Gast" so gemeint, wie er du es beschreibst, Sverker.


    Grüße
    Ancarus

  • Zitat

    Daher obliegt es dem Gast sich nach bestimmten Verhaltensregeln zu verhalten.


    Das sehe ich genauso. Ich glaube "Zurückhaltung" fasst das gut zusammen, was einem Gast gut zu Gesicht steht.


    Zitat

    Der Gastgeber besitzt hingegen sein Hausrecht.


    Da hast Du natürlich recht. Jedoch hat auch der Gastgeber pflichten (zumindest nach meinem Verständnis): So muss er ja für das Wohl des Gastes sorgen.


    Grüße
    Ancarus