Ächtung, Töten - wie gingen unsere germanischen Vorfahren damit um?

  • Hallo zusammen,


    diese Gedanken von Sverker in einem anderen Thema haben mich dazu veranlasst, denselben hier Raum zu geben. :)


    Fragen: Was beinhaltete der Begriff "Ächtung". was bedeutete "vogelfrei"? Wie ginge man mit solchen Menschen um?


    Wie gewaltfrei oder gewalttätig waren unsere Vorfahren? Wo lagen die Toleranzgrenzen? Wann waren Grenzen überschritten?


    Gab es Hinrichtungen oder Kriegshandlungen, die einen religiösen Hintergrund hatten?



    Gruss Widogarda

  • Grüße zusammen,


    Zitat

    Was beinhaltete der Begriff "Ächtung". was bedeutete "vogelfrei"? Wie ginge man mit solchen Menschen um?


    Die Ächtung als "Vogelfrei" war eine schwere Strafe bei unseren Ahnen. Wer so geächtet wurde, wurde aus der Sippe/Gemeinschaft ausgeschlossen. Solch eine Person war nicht mehr Teil des Sippenheils, sowohl in spiritueller, als auch in "körperlicher Hinsicht". So durfte niemand solch einer Person Schutz oder Obdach gewähren. Auch durfte solch eine Person strafrei erschlagen werden. Da sie ja, im gewissen Sinne, schon als tot galt.


    Zitat

    Wie gewaltfrei oder gewalttätig waren unsere Vorfahren?


    Unsere Ahnen kannten den Grundsatz noch nicht, das alle Gewalt vom Staat ausgeht. Da es das Konstrukt des "Staates" ja auch noch garnicht gab. Desweiteren kannten unsere Ahnen auch keine Gefägnisse. So war dann auch oft die "Fehde" das probate Mittel, um sich Recht zu verschaffen und je nach Zeit und Stamm wurde dann das Fehderecht freier oder eingeschränkter genutzt. Zwar gab es ja auch die Thinggerichtsbarkeit, dennoch oblag es meist einem jeden selbst, sein Recht dann auch durchzusetzen.


    Doch ungeachtet all dieser Dinge, waren unsere Ahnen dennoch friedliebend. Niemand ist in den Krieg oder den Kampf gezogen, wenn es nicht unbedingt nötig war. Denn "Heil" wurde in Frieden und Harmonie gefunden und daher wurden Menschen, die dieses "Heil" gestört haben, auch ganz schnell aus der Sippe ausgestossen, eben als Vogelfrei erklärt.


    Zitat

    Gab es Hinrichtungen oder Kriegshandlungen, die einen religiösen Hintergrund hatten?


    Religionskriege waren vor der Christianisierung völlig unbekannt. Stämmen und Sippen haben sich gegenseitig bekriegt, um das eigene Überleben zu sichern. Was Hinrichtungen angeht: Zu Tode verurteilte wurden (immer?) den Göttern geweiht. Ein Beiname Odins ist auch "Gott der Gehängten". Zumindestens in der frühen Zeit der Christianisierung wurden christliche Missionare auch erschlagen und Christen war es verboten heidnische Heiligtümer zu betreten.


    Letztendlich war es aber sehr von der Zeit und sicherlich auch von den jeweiligen Stämmen abhängig, wie tatäschlich mit den Christen umgegangen wurde. Einzelne Stämme haben sich ja auch sehr früh schon zum Christentum bekannt und ich vermute mal, das diese Stämme dann also auch mit den christlichen Missionaren friedlicher verfahren sind.


    Grüße
    Ancarus

  • Gab es Hinrichtungen oder Kriegshandlungen, die einen religiösen Hintergrund hatten?

    Andere Frage: Gab es das nur bei manchen Keltenstämmen, das Kriegsgefangene den Göttern geopfert wurden oder gab es dies auch bei germanischen Stämmen? :)


    Gruss Widogarda

  • Soweit ich weiß passierte diese Opferung früher regelmäßig bei sämtlichen Stämmen. Vermutlich zum Einen, weil es zu teuer war sie mitzuernähren, zum Anderen, weil ein Mensch natürlich ein "großes" Opfer ist und die Verbindung zu den Göttern vermutlich besonders gut hergestellt werden konnte.


    Bzgl. Quellen bin ich gerade überfragt, könnte aber gut sein, dass bei Tacitus etwas darüber steht.

  • Grüße zusammen,

    Zitat

    Hier stellt sich die Frage nach der entsprechenden Literatur, die germanische Sittengesetze beschreibt.


    Literatur kann ich dir so gezielt leider keine nennen. Es gibt zwar verschiedene Gesetzesüberlieferungen (Sachsenspiegel zb.), inwiefern diese uns aber da weiter helfen können, weiß ich leider nicht.


    Zitat

    Andere Frage: Gab es das nur bei manchen Keltenstämmen, das Kriegsgefangene den Göttern geopfert wurden oder gab es dies auch bei germanischen Stämmen?


    Es ist überliefert (Tacitus?) das dass feindliche Heer vor Schlachtbeginn dem Odin geweiht wurde. So kann ich mir dann auch gut vorstellen, das auf Grund der Weihe, auch viele (oder je nach dem alle) Kriegsefangene geopfert wurden. So gehe ich schon davon aus, das die rituelle Hinrichtung von Kriegsgefangenen auch bei den Germanen üblich war. Jedoch kannten unsere Ahnen auch die Sklavenhaltung und ich würde fast wetten, das viele Sklaven sich auch aus Kriegsgefangenen rekrutierten.


    Zitat

    Vermutlich zum Einen, weil es zu teuer war sie mitzuernähren, zum Anderen, weil ein Mensch natürlich ein "großes" Opfer ist und die Verbindung zu den Göttern vermutlich besonders gut hergestellt werden konnte.


    Ich denke auch, das die jeweiligen Umstände des siegreichen Stammes da eine ganz große Rolle gespielt haben und vielleicht auch der Schlachtverlauf. Die Gefangenschaft, wie wir sie heute kennen, gab es damals sicherlich nicht.


    Grüße
    Ancarus