Winternacht (samt Blótausarbeitung)

  • Vorwort
    Ich werde immer wieder gefragt, wie man den Göttern opfern soll bzw wie man ein Blót abzuhalten hat. Am 6. November ist ja nun Winternacht und so nehme ich dieses Fest zum Anlass, um euch ein Beispiel zu geben, wie man denn nun solch ein Blót gestalten kann. Ich möchte aber auch deutlich darauf hinweisen, das es sich hier um ein Blót der Gefolgschaft der Götter handelt. Dies bedeutet, dass Ablauf und Gestaltung des Rituals auf unseren Erfahrungen und den Gegebenheiten unseres Opferplatzes abgestimmt ist. Der Ablauf dieses Blóts darf also nicht als Versuch der Dogmatisierung missverstanden werden!


    Es ist das erste Mal, das ich eine Blótausarbeitung öffentlich mache. Da solch eine Ausarbeitung irgendwo auch etwas sehr intimes hat, bitte ich dies bei etwaiger Kritik zu beachten.

  • Winternacht


    Bedeutung


    Winternacht ist Auftakt zu Ragnarök. Der Schleier zu den jenseitigen Welten wird durchlässiger und Wodan und Frigg ziehen mit ihrem Gefolge durch die Lüfte Midgards. Teil dieses „Umzugs“ sind die Seelen der Verstorbenen, vorallem auch die Einherjar, die ja zur Ragnarök, zur Schlacht ausziehen. Ebenso eine zentrale Rolle besitzt Heimdall. Ist er es doch, der die Götter und ihr Gefolge zur Schlacht ruft und auch für die Wiederverkörperung der Seelen verantwortlich ist.


    Wir ehren zu Winternacht Wodan, Frigg, Heimdall und Disen (hier sind die Einherjar und unsere Ahnen gemeint). Wir danken ihnen für das vergangene Jahr und bitten auch für das kommende Jahr um ihre Gunst. Auch zeigen wir, durch unser Opfer, das wir auf Seiten der Götter stehen und ihr Wirken unterstützen.



    Im Havamal, im Hrafnagaldr und in der Rigsthula finden wir die Festmythen zur Winternacht.



    Das Blót



    Vorbereitung


    Die eigentliche Vorbereitung zum Blót beginnt, idealerweise, schon einige Tage vor dem Ritual. Indem man sich die eigene Verbindung zu den Göttern (besonders zu den Göttern, die zum Blót angerufen werden) vergegenwärtigt. Das eigene Opfer vorbereitet und einfach auch Dinge tut, die einen geistig für die Götter öffnet (zum Beispiel Meditation).


    Kurz vor dem Blót gilt es sich zu reinigen, sowohl körperlich, als auch geistig. Hierbei ist wichtig, sich nicht mit chemischen Mitteln zu waschen oder sich gar zu parfümieren, denn solch künstlichen Durftstoffe sind auf dem Blót tabu. Es ist auch stark zu empfehlen spezielle Ritualkleidung zu tragen. Wenigstens jedoch nicht solche Kleidung zu wählen, die A) aus Kunstfasern gewebt ist und B) die man auch im alltäglichen Leben trägt.
    Mit seelischer Reinigung ist gemeint, das man sich von den Problemen des Alltags frei macht. Das Blót ist heilig, fern vom Alltag, nicht Teil unserer alltäglichen Existenz. Noch einmal zur Verdeutlichung: Das Blót ist heilig. Streiterein oder Unstimmigkeiten haben damit, selbstverständlich, auf dem Blót nichts verloren und müssen gegebenfalls vorher ausgeräumt werden oder nach dem Blót. Während des Blóts sind aber solche Dinge tabu.


    Auch Dinge, wie Waffen, Handys, Pager usw haben auf dem Blóts nichts verloren!



    Einhegung


    Bedeutung


    Mit der Einhegung wird der Platz des Blóts vor negativen Einflüssen von außen geschützt. Dies ist unbedingt nötig, da beim Blót große Energien freigesetzt werden, die auch Wesenheiten anlocken, welche im schlimmsten Fall die Blótteilnehmer schädigen und die Energie des Opfers, anstatt den Göttern, aufnehmen.


    Ablauf


    Der Blótleiter umkreist den Blótplatz, beginnend am Nordpunkt und spricht:
    „Thor, Weihegott, weihe diesen Platz, auf das er geschützt ist!“
    Weiter geht er zu dem Ost-, Süd- und Westpunkt des Platzes und wiederholt diesen Satz. Wieder am Nortpunkt angekommen, vollendet der Blótleiter die Einhegung:
    „Vollendet ist der Kreis und heilig der Platz. Heil Dir, Thor, Weihegott!“



    Spätestens jetzt ist der Blótplatz heilig und darf nur unter großer Ehrerbietung betreten werden. Dies bedeutet, das beim Eintritt in den Kreis sich niedergekniet wird und man die Götter begrüßt.
    Desweiteren bedeutet dies, das nur auch die tatsächlichen Blótteilnehmer sich innerhalb des Kreises aufhalten dürfen. Etwaige Zuschauer müssen sich also außerhalb des eingehgten Bereichs aufhalten.



    Anrufung


    Bedeutung


    Nun werden die Götter angerufen, welchen man opfern bzw ehren möchte. Hierbei ist es wichtig, das man die Götter, welche man anruft, klar benennt und charakterisiert. Dies hat dann zum Einen den Effekt, das die Blótteilnehmer sich den jeweiligen Göttern besser öffnen können und die Anrufung auch ans richtige Ziel gelangt. Wichtig dabei ist auch zu beachten, das eine Anrufung keine Beschwörung ist: Man kann die Götter nicht zwingen irgendwo zu erscheinen und es ist eine schwere Beleidigung gegenüber diesen, es überhaupt versuchen zu wollen.


    Ablauf


    Zu Winternacht werden drei Götter angerufen: Odin, Frigg, Heimdall. Diese drei Anrufungen finden direkt nacheinander statt, den Takt der Geschwindigkeit gibt dabei der Blótleiter vor.


    Odin! Odin! Odin!
    Sohn Bors und der Bestla!
    Gemahl der Frigg!
    Einäugiger Gott, Allvater!
    Schöpfer des Himmels und der Erde!
    Asgards Führst, Valhalls Weiser!
    Wir laden dich ein, am Blót teilzunehmen!
    Odin! Odin! Odin!


    Frigg! Frigg! Frigg!
    Tochter Fjorgyns, Gemahlin Odins!
    Göttin der Erde und der Natur!
    Fürstin von Asgard und Midgard!
    Wir laden dich ein, am Blót teilzunehmen!
    Frigg! Frigg! Frigg!


    Heimdall! Heimdall! Heimdall!


    Wächter der Götter!


    Weißer Ase!
    Besitzer des Gjallerhorns!


    Wir laden dich ein, am Blót teilzunehmen!


    Heimdall! Heimdall! Heimdall!



    Entzüdung und Weihung des Feuers


    Begründung


    Das Feuer zeigt die Anwesenheit der Götter. Gerade zu Winternacht ist das Feuer auch Symbol für den Kampf der Götter (Wärme des Sommers) gegen die Riesen (Kälte des Winters).


    Ablauf


    Der Blótleiter entzündet das Feuer und bittet Thor um die Weihung:


    Feuer ist das beste den Erdgeborenen!
    Und Sól´s Schein!
    Thor, weihe das Feuer!



    Darlegung der Opfergaben


    Nun gehen die Teilnehmer, nacheinander, zum Feuer vor und legen ihre Opfergaben nieder (oder besser legen diese auf den Altar). Es ist auch der Moment, wo jeder der Teilnehmer die Möglichkeiten hat, persönlichen Kontakt mit den Göttern aufzunehmen, seine Bitten und/oder seinen Dank kundzutun. Neben den eigenen Opfergaben befüllt der Blótleiter das Gemeinschaftshorn und stellt es zu den anderen Opfergaben.


    Weihung der Opfergaben


    Der Blótleiter gut nun erneut zu den Opfergaben vor:


    Heilige Götter!
    Bitte Nehmt unser Opfer!
    Auf das wir eure Heiligung erfahren!
    Thor, weihe diese Gaben!


    Opfertrank/Sumbel


    Nun kreist das Trinkhorn drei Mal durch die Reihe der Blótteilnehmer. Dabei wird in der ersten Runde auf die Götter getrunken. In der zweiten Runde auf die Ahnen und in der dritten Runde auf die Gemeinschaft. In jeder Runde nimmt jeder Teilnehmer nur einen (kleinen) Schluck aus dem Horn. Der Rest des Inhalts ist Teil der Opfergabe und wird nach dem Sumbel wieder zu diesen zurück gestellt.


    Opfermahl


    Das besondere beim Blót ist, das dieses nicht nur für die Götter, sondern auch mit den Göttern begangen wird. So nimmt nun jeder einen Teil (den Kleineren) seiner Opfergabe wieder zu sich, um diese später selbst zu verzehren. Wenn man so möchte, teilt man also die Tafel mit den Göttern. Ein Bild, welches auch noch Mal die Heiligkeit des Rituals rausstellt.


    Aufhebung des Blóts


    Nachdem nun jeder wieder an seinem Platz ist, hebt der Blótleiter das Blót auf:


    Heil fahrt, Heil kehrt wieder, Heil euch allzeit!


    Das Blót ist nun beendet und die Teilnehmer ziehen vom eingehegten Bereich zurück. In der Regel findet dann im Anschluss das Thing nun statt.

  • Hallo Sascha,


    vielen Dank für die Veröffentlichung der Ausarbeitung.
    Vielen wird sicherlich die Frage im Kopf bleiben, was denn mit den Opfergaben passiert, die wir nicht verzehrt haben. Bleibe diese zurück? Nehmt ihr sie mit?
    Wie verfahrt ihr in der GdG?

  • Hallo Dennis,

    Zitat

    Vielen wird sicherlich die Frage im Kopf bleiben, was denn mit den Opfergaben passiert, die wir nicht verzehrt haben.


    Die dargebrachten Opfergaben gehören den Göttern und verbleiben im Heiligtum.


    Grüße
    Ancarus

  • Hallo Ancarus,


    danke für diese Ausarbeitung und vor allem die umfassende Erklärung.


    Ich finde es gut, das Du dies mit uns teilst, denn auch für mich und ich denke auch für manch anderen hier ist die eine oder andere Anregung dabei, über die man sich Gedanken machen kann.


    Zu den Opfergaben, die zurückbleiben: Auch ich handhabe dies so, und die Natur/die Götter/ihre Boten holt/holen sich alles wieder. Besser kann man das Wirken, das Werden und Vergehen gar nicht sichtbar machen, finde ich. :)


    Eine ausgiebige "Vorbereitung" für mich ist ebenfalls die Meditation. Nur in diesem Falle meditiere ich dann meist draussen. Da muss ich die Elemente spüren, sonst ist da keine Verbindung zum Thema, finde ich.


    Das mit dem "Anrufen" der Götter wird in der Tat von einigen Leutchen meist falsch verstanden. Diese verwechseln das mit "herbeizitieren". Deshalb spreche ich gern vom "Einladen der Götter" :) Das klingt wesentlich freundlicher.


    Auch ich habe für solche besonderen Momente meine spezielle Kleidung aus Wolle oder Leinen. Diese habe ich selbst gefertigt. Einen Teil davon habe ich immer dabei, wenn ich unterwegs bin, damit ich jederzeit einen "Heiligen Ort" aufsuchen kann.


    Vor einer heiligen Handlung wasche ich mich mit klarem Wasser, in das ich eine Prise Salz einfüge. Danach beräuchere ich mich und meine Kleidung, die ich tragen werde.


    Und auf eine "Heiligen Platz" gehören absolut keine "neuzeitlichen" Gegenstände. Du hast übrigens die E-Zigarette vergessen, solche Chaoten gibt es mittlerweile auch! :D


    Die benötigten Gefässe sind bei mir aus Ton, Holz oder Horn. Einen Töpfer/Keramiker findet man heute fast überall. wenn man selbst nicht töpfern kann. Und auf Märkten kann man so manch schönes Teil aus Horn oder Holz finden.


    Ich merke gerade - mein letztes Blot ist schon lang her......es wird Zeit. :)


    Gruss Salgard

  • Hallo Salgard,

    Zitat

    Auch ich habe für solche besonderen Momente meine spezielle Kleidung aus Wolle oder Leinen. Diese habe ich selbst gefertigt. Einen Teil davon habe ich immer dabei, wenn ich unterwegs bin, damit ich jederzeit einen "Heiligen Ort" aufsuchen kann.


    Besser geht es ja eigentlich nicht. Besonders, das deine Kleidung selbst gefertigt ist finde ich großartig.


    Zitat

    Und auf eine "Heiligen Platz" gehören absolut keine "neuzeitlichen" Gegenstände. Du hast übrigens die E-Zigarette vergessen, solche Chaoten gibt es mittlerweile auch!


    Ich hatte mich da wohl auch unglücklich ausgedrückt: Es sind natürlich alle elektronischen Geräte tabu :)


    Zitat

    Die benötigten Gefässe sind bei mir aus Ton, Holz oder Horn. Einen Töpfer/Keramiker findet man heute fast überall. wenn man selbst nicht töpfern kann. Und auf Märkten kann man so manch schönes Teil aus Horn oder Holz finden.


    Das ist auch eine wichtige Ergänzung, danke dafür.


    Grüße
    Ancarus

  • Zitat


    Vielen wird sicherlich die Frage im Kopf bleiben, was denn mit den Opfergaben passiert, die wir nicht verzehrt haben.


    Die dargebrachten Opfergaben gehören den Göttern und verbleiben im Heiligtum.

    Hallo Ancarus,


    und gerade weil die Opfergaben im Heiligtum/in der Natur zurückbleiben, ist es m. E. nach sehr wichtig, darauf zu achten, was man opfert. Ich opfere entweder Produkte aus meinem Garten bzw. achte darauf, das Brote, Gebäcke etc, aus Zutaten hergestellt werden, die biologisch einwandfrei sind. Wenn ich im Garten nichts mehr habe, hole ich mir etwas vom Bauern aus der Nachbarschaft bzw. aus dem Bioladen.


    Gruss Widogarda

  • Hallo Ancarus,


    dazu nochmal, wenn auch zu spät: Was kann man denn an Winternacht opfern? Gehört ja auch zum Thema ;)


    Meine Ideen: Äpfel, Nüsse/Kastanien, Korn, Brot



    Weiterhin: Wie sieht die Einhegung aus?
    Normalerweise gab es ja eine statische Einhegung mit z.B. Haselstangen und einem oder drei Bändern.
    Man kann außerdem die Othala Rune nutzen.


    Aber wie sieht es mit kurzfristigen bzw. "spontanen" Opferungen aus? Reicht da die Hammarsmark in alle Richtungen oder wie sieht es da aus?
    Was, wenn man keine Haselstangen hat und der Boden z.B. zu hart zum einritzen ist?

  • Hallo Snoopy,


    Zitat

    dazu nochmal, wenn auch zu spät: Was kann man denn an Winternacht opfern? Gehört ja auch zum Thema ;)
    Meine Ideen: Äpfel, Nüsse/Kastanien, Korn, Brot


    Du hast Dir die Frage absolut richtig selbst beantwortet :) 
    Ergänzend dazu wären auch Birnen und Bildgebäcke möglich.


    Aber wie sieht es mit kurzfristigen bzw. "spontanen" Opferungen aus? Reicht da die Hammarsmark in alle Richtungen oder wie sieht es da aus?
    Was, wenn man keine Haselstangen hat und der Boden z.B. zu hart zum einritzen ist?
    Eine statische, d.h. feste Einhegung macht eigentlich auch nur dann Sinn, wenn sie auch dauerhaft bestand haben kann. Dies ist ja leider nur bei den wenigsten Heiden heute möglich. Können keine Othala-Runen geritzt werden, wäre das umrunden des Platzes mit dem Hammarsmark tatsächlich eine Möglichkeit. Auch das Räuchern und/oder Kreisziehen mit weißem Salbei wäre eine Alternative. Wir haben heute das Hammarsmark genutzt und die Einhegung war wirksam.


    Grüße
    Ancarus

  • Danke fürs einstellen Ancarus. Heute Nachmittag am Weg zum Opferplatz, habe ich nochmals über diesen Beitrag, denn ich schon vor langer Zeit gelesen hatte, irgendwie wieder nachdenken müssen ^^ Vermutlich weil ich die Ausarbeitung sehr inspirierend finde und sich sehr gut mit meinem Ritualablauf deckt.


    Heil euch!