Enttaufung als Ritual ?

  • Hallo Freunde


    ich habe neulich einen interessanten Text über ein heidnisches Enttaufungsritual in Russland gefunden.
    Die Ansichten hierzu mögen auseinander gehen doch ist es interessant wie die russischen Heiden
    das praktizieren.


    Als erstes wird am Anfang ein Feuerstoß angezündet damit man Hemd und Kreuz ins Feuer
    werfen kann und bildet um ihn einen Kreis im Sonnenlauf.


    Dann wird der Tschur ( eine slawische Gottheit) herbei gerufen um durch das
    Feuer den Ahnen , den slawischen Göttern, einen Tribut zu zollen.


    Danach wird der Kreis gebrochen und aus ihm heraus getreten.
    Im Kreis neben dem Eingang soll ein Becher mit einem Trank gestellt werden.
    Wenn der Mensch noch im Besitz seines Taufhemdes und Taufkreuzes ist,
    soll er sie vor der Enttaufung anziehen.
    Das sicher zu klein gewordene Hemd kann man während des Ritus
    in den Händen halten.


    Nicht weit vom Kreis wird der zu entlaufende Mensch auf die Knie gestellt.
    Derjenige der ihm die Enttaufung gibt stellt Fragen und der
    Mensch antwortet:


    1.Wendest du dich von der Kirche ab ? Ich wende mich ab.
    2. Wendest du dich von der christlichen Dreifaltigkeit ab? Ich wende mich ab.
    3. Wendest du dich von Jehova ab ? Ich wende mich ab.
    4. Wendest du dich von Christus ab ? Ich wende mich ab.
    5. Wendest du dich vom heiligen Geist ab ? Ich wende mich ab.
    6.Wendest du dich von der Mutter Christi ab ? Ich wende mich ab.
    7. Wirst du das todbringende Kreuz nicht mehr tragen ?
    Ich werde es nicht tragen.
    8. Wirst du nie wieder auf Knien vor den fremden Göttern stehen?
    Ich werde nie wieder vor fremden Göttern auf den Knien stehen.
    9. Steht dein Entschluss fest ? Mein Entschluss steht fest !


    Das gesamte Ritual ist umfangreich und es würde den Rahmen
    sprengen es hier abzuschreiben ( 8 Seiten ) und befasst auch
    Handlungen wie die symbolische Entfernung der christlichen Myrrhe
    und anderer christlicher Relikte die bei der Taufe angewandt werden.


    Ich wollte einfach mal in die Runde fragen was ihr davon haltet
    und ob es etwas vergleichbares wie diesen Feuerritus auch bei
    unseren germanischen Ahnen gibt /gab der die christliche Wassertaufe
    neutralisiert und die Götter der Ahnen wieder annimmt.


    Asenheil,


    Sjard

  • Hallo Sjard,
    ob so ein Ritual nötig ist, hängt ja erstmal davon ab, inwiefern eine christliche Taufe überhaupt wirksam ist?
    Nach meiner Auffassung gibt es den Christen Gott nicht und weil es den nicht gibt, kann der auch nicht segnen oder weihen. Was jedoch möglich ist, da hängt es dann von dem Tauftext und dem Alter des Täuflings ab, ob es da eine aktive Abwendung von den Göttern gibt. Gerade zu Zeiten der Christianisierung mussten Heiden ja wörltich den Göttern abschwören. Inwiefern heutige Taufen aber Schwurcharakter haben, weiß ich nicht. Wenn dem noch so ist, dann würde das aber wiederum nur jene betreffen, die sich als Erwachsene haben taufen lassen. Säuglinge können nicht schwören und können sich damit auch garnicht von den Göttern abwenden.


    Wenn ich jetzt davon ausgehe, das ein Erwachsener Mensch den Göttern abgeschworen hat, vielleicht sogar der Kirche (wie auch immer) Treue geschworen hat, so ist das ja etwas zwischen ihm und den Göttern. Es sind also auch nur die Götter, die ihm aus diesem Schwur lösen könnten. Natürlich ist es aber auch so, das ich gut verstehen kann, das jemand die Bindung zu den Göttern vielleicht auch neu festigen oder vertiefen möchte, nachdem man aus der Kirche ausgetreten ist. Da wäre dann aber auch ein Blót möglich oder eine Wasserweihe, wenn man dies innerhalb einer Gemeinschaft tut.


    Jetzt aber direkt zu diesem russischen Enttaufungsritual:


    Mal meine obigen Einwürfe auch beiseite geworfen: Mir gefällt das Ritual nicht. Das klingt wie ein gespiegeltes Missionierungs-Ritual der Christen. Diese neun Fragen sind eigentlich genau die Fragen, die damals die Missionare unsere Ahnen abgepresst haben, nur halt umgekehrt. Mir ist da auch kein Beispiel unserer Ahnen bekannt. Was wohl auch daran liegt, das eigentlich nicht vor kam, das Christen zurück zum Heidentum gegangen sind und wenn sie es doch taten, brutal nieder gemacht wurden sind.



    Lange Rede kurzer Sinn: Ich denke es braucht kein Enttaufungsritual. Was aber sinnvoll sein kann, das man sein erstes Blót gerade in diesem Gedanken begeht, das dies nun das erste Blót ist.


    PS: Der Text ist spontan entstanden und ist quasi lautes denken ;)



    Grüße
    Ancarus



  • Grüße,
    dem möchte ich mich zu 100% anschließen, als ich dies angefangen bin zu lesen mußte ich sofort an die Christliche Abschwurformel denken.


    Grüße


    Mattes

  • Punkt 8 und Punkt 9 finde ich persönlich recht schön, um das Ganze einfach zu festigen, die persönliche Einstellung zu stärken.
    Die andere Fragerei finde ich aber eher blöd. Ancarus hat da schon Recht.


    Man muss sich natürlich die Frage stellen: Wie wirksam ist eine christliche Taufe. Gibt es den Gott nicht, ist die Taufe sowieso unwirksam.
    Es gibt ja allerdings den schönen Placebo-Effekt. Selbst, wenn es den Gott nicht gibt, bleibt immernoch eine gewisse Magie, die bei der Taufe frei wird. Ob nun eingebildet oder real.
    Diese Magie legt sich auf den Körper und kann später ein Unwohlsein hervorrufen. Dafür kann eine "Enttaufung" schon sinnvoll sein.
    Das Ritual mit Verbrennung des Taufgewandes als Symbol für die bewusste Zukehr zu unseren Göttern und die bewusste "Abkehr" des christlichen Gottes finde ich aber schon Recht gut. Das stärkt den Glauben und ruft, zumindest bei mir, ein positives Gefühl hervor. Also wenn ich mir das jetzt so vorstelle.


    Zwingend notwendig halte ich eine Enttaufung nicht. Wer sie aber gerne durchführen möchte, weil er sich sonst nicht 100%ig lösen kann, der soll dies ruhig tun.
    Vielleicht in etwas abgewandelter Form ohne Fragerei.

  • Hallo zusammen,


    als ich den Text von Sjard las, kam mir auch sofort "christliches Ritual" in den Sinn.
    Ich brauch sowas nicht, da mich mein Lebensweg in einem grosszügigem Bogen um die Tauferei herumgeführt hat. Ich kann mir allerdings vorstellen, das es Menschen gibt, die ein Problem mit der Taufe haben und sich einfach besser-gereinigter-freier oder wie auch immer fühlen, wenn sie diese Trennung rituell bekräftigen. Generell brauchts sowas nicht, doch sollte man es jedem selbst überlassen, wie er es handhaben will.


    Gruss Salgard

  • Zitat

    Zwingend notwendig halte ich eine Enttaufung nicht. Wer sie aber gerne durchführen möchte, weil er sich sonst nicht 100%ig lösen kann, der soll dies ruhig tun.
    Vielleicht in etwas abgewandelter Form ohne Fragerei.


    Zitat

    Generell brauchts sowas nicht, doch sollte man es jedem selbst überlassen, wie er es handhaben will.


    Ich denke, das eine Bekräftigung der Bindung zu den Göttern nie verkehrt ist. Ich bin auch absolut der Meinung, das wenn jemand dies für nötig hält, dies auch tun kann. Ich würde nur auf jeden Fall emfpehlen, ganz stark darauf zu achten, was man vor den Göttern dann so schwört.



    Grüße
    Ancarus

  • Ich weiss nicht ob so etwas nötig ist order nicht, das kommt wohl immer auf den eigenen Standpunkt an. Für einige Leute ist die Taufe durchaus ein schwarzmagisches Ritual.

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  • Hallo

    Ich tat der Taufe nicht so viel Bedeutung zuschreiben. Bei der Taufe ist man ein unmündiges Baby und kann keinen Einfluß darauf nehmen. Wenn man sich als Erwachsener taufen läßt sieht das meiner Meinung nach anders aus. Wenn die Taufe ein schwarzmagisches Ritual wäre,stände man ja unter einem Fluch.

  • Für mich ist das pure schwarze Magie, wenn man ein unmündiges Wesen , welches noch unfähig ist eine freie Entscheidung zu treffen einem Ritual der Indoktrination unterzieht (welches es noch garnicht verstehen kann), mit dem den Sinn es einem Kult zu weihen welcher nichts anderes als den Tod verehrt. Überhaupt ist die Taufe eine Art Bindezauber welcher nur dazu dient, den natürlichen Instikt des Menschen zu unterdrücken.


    Sverker schrieb:

    Wenn die Taufe ein schwarzmagisches Ritual wäre,stände man ja unter einem Fluch.Wenn die Taufe ein schwarzmagisches Ritual wäre,stände man ja unter einem Fluch.

    Für mich ist das in der Tat eine Art Fluch. Diese Ritual soll unsere Sinne, unseren Instinkt unsere Natur unterdrücken und den Täufling an die Kirche binden und unterwerfen. Abgeschlossen wird dieser magische Prozess dann mit der Firmung/Confirmation.



    lg

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  • Hallo zusammen,

    ich habe mich mal durch den Ablauf und die Symbolik der katholischen Taufe gelesen. Das ganze hat etwas gedauert und daher erst jetzt wieder eine Antwort von mir:


    Ich hatte zu erst überlegt, ob ich da einen detailierten Beitrag zu schreiben soll, wo ich dann auch über die Parallelen zu unserem Ahnen- und Götterkult etwas schreibe und über den Bund, der dort mit Gott geschlossen werden soll usw. Ich habe mich aber letztendlich dagegen entschieden. Es würde nämlich schlicht am Ziel vorbei schießen.

    Es bleibt aber für mich zu sagen, das ich da keine Schwarzmagie bzw überhaupt keine Magie erkennen kann. Das der Priester dem Kind ein Kreuz auf die Stirn "zeichnet" findet ohne Formel statt, die magischen Charakter hat. Nach katholischem Verständnis soll das auch eher ein Willkommensgruß in der Gemeinde der Christen sein und da wären wir dann auch beim Knackpunkt -> Nach katholischem Verstänndis. Das katholische Verständnis. was deren Taufe angeht, ist völlig unrelevant. Es gibt nicht den EINEN Gott, den die Christen anbeten. Der Bund mit Gott, den das Kind durch die Taufe erfahren soll, ist völlig hinfällig.

    Das Kind leistet keinen Schwur oder schwört etwas ab, das kann es gar nicht. Genau so wenig wird das Kind da nicht indoktriniert, da für das Kind ja keinerlei Unterweisung stattfindet, davon abgesehen das dass Kind ja überhaupt nicht aktiv an der Zeremonie teilnimmt bzw auch gar nicht teilnehmen kann.


    Was die Magie da angeht, finde ich das Ritual der katholischen Taufe finde ich dahin gehend völlig wirkungslos und daher sehe ich da auch überhaupt keinen Grund, das man da eine Taufe "auflösen" muss.


    Trotzdem muss ich aber dennoch sagen, das sich eine christliche Taufe für einen Heiden verbietet und zwar aus folgendem Grund:

    Als Teil der Taufe müssen die Eltern und die Taufpaten geloben, das sie den Taufling im christlichen Glauben erziehen. Nach meiner Meinung wird da ein Schwur abgelegt und ein Schwur ist ein heiliges Gelöbnis gegenüber den Göttern, unabhängig davon, wie sinngebend der Schwur ist. Nur trifft dieses Problem nicht das Kind, welches getauft wird, sondern die Eltern und Paten.


    Grüße

    Ancarus

  • Hallo an Alle,


    Danke für eure Ausführungen.



    Deshalb auch meine Einschätzung, in einem anderen Thema welches ich erstellt hatte.


    Ancarus schrieb:

    Was die Magie da angeht, finde ich das Ritual der katholischen Taufe
    finde ich dahin gehend völlig wirkungslos und daher sehe ich da auch
    überhaupt keinen Grund, das man da eine Taufe "auflösen" muss

    Ich halte eine Art Enttaufung natürlich auch für nicht nötig.

    Es gibt aber sogar ehemalige Priester, die dieses Ritual als schwarzmagisch ansehen. Ich denke Wirksam würde dies nur werden, wenn man sich firmen lässt.




    Lg

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  • Ein Entaufungsritual ist nicht nötig der neu Ankömmling wir ja einen Taufritual unterzogen so wie die Neugebohrnen.

    Das ist aber mal hart verallgemeinernd und undifferenziert:

    Die GdG führt kein Taufritual für neue Mitglieder durch. Die Wasserweihe ist desweiteren auch ein Ritual für Neugeborene.

  • Ein Entaufungsritual ist nicht nötig der neu Ankömmling wir ja einen Taufritual unterzogen so wie die Neugebohrnen. So mit in die Sippe auf genohmen werden.

    Grundsätzlich ist eine Taufe vor dem christlichen Gott ohne Relevanz. Trotzdem kann es eine psychisiche Auswirkung haben. Für diesen Fall wäre ein Enttaufungsritual sicherlich sinnvoll.


    Ein "Neuankömmling" wird nicht zwingend einem Taufritual unterzogen. Das mag auf Wunsch möglich sein. Aber grundsätzlich voraussetzen würde ich das nicht.

  • Sieht man das Ritual aus hinduistischer Sicht, was ja ansich eine heidnische Religion ist, so stellt die christliche Taufe das rituele Verschließen des Stirnchakras dar, welches wir in der westlichen Walt als das dritte Auge kennen.


    Also ich bin kein Esoteriker und ich weiss nicht inwiefern sich die Chakren mit dem germ. Heidentum in Einklang bringen lassen, aber zu verharmlosen ist diese Ritual nicht.


    Jedenfalls, haben die Missionare unsere Ahnen nicht umsonst zur Taufe gezwungen, siehe Widukind. Bezogen auf die Natur unsere Vorväter was das Ritual der Taufe ein Mal der Schande und der Niederlage. Das Taufen der Nachkommen, sollte verhindern das die Knaben bedingt durch dieses Riutal ohne enge Bindung an die Götter heranwuchsen und so schließlich anstatt zu heidnischen Kriegern zu kirchentreuen Untertanen wurden.


    Tut mir leid ich weiss das klingt jetzt martialisch.

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  • Sieht man das Ritual aus hinduistischer Sicht, was ja ansich eine heidnische Religion ist, so stellt die christliche Taufe das rituele Verschließen des Stirnchakras dar, welches wir in der westlichen Walt als das dritte Auge kennen.

    Dieses Argument begegnet mir auch immer wieder, vor allem aus der esoterischen Ecke. Das klingt ja auch erstmal ein stückweit plausibel. Dann schau ich aber nach Island, wo jemand wie Sæmundur Sigfússon und Snorri Sturluson gelebt haben, die trotz christlicher Taufe offensichtlich tiefen Kontakt zu den Göttern hatten und ich komme zum Schluss, das da nicht viel dran sein kann.


    Desweiteren ist ja ein ganz bedeutender Teil der heutigen Heiden in Europa christlich getauft wurden und auch diese Menschen haben den Kontakt zu den Göttern gefunden.


    Jedenfalls, haben die Missionare unsere Ahnen nicht umsonst zur Taufe gezwungen, siehe Widukind. Bezogen auf die Natur unsere Vorväter was das Ritual der Taufe ein Mal der Schande und der Niederlage.

    Hier sehe ich aber die "spirituelle" Wirkung in der Abwendung von den Göttern, als in einer magischen Kraft Taufe selbst.


    Tut mir leid ich weiss das klingt jetzt martialisch.

    Du musst dich nicht für deine Sicht auf die Dinge entschuldigen!


    Grüße

    Ancarus