Priestertum (Allgemein)

  • Ich wollte mal das heiße Eisen "Priestertum" hier aufgreifen und einiges herausarbeiten, was sich so an Überlieferung findet, was schwammig, aber verwertbar ist und was man aus anderen, aber verwandten Kulturen zurückerschließen kann.




    Erstmal die klassischen Bezeichnungen, die uns im germanischen Bereich für Priester begegnen: gudja (gotisch), cotinc (althochdeutsch), goði (altnordisch). Was hier bereits auffällt: Der gotische gudja scheint "nur" ein Priester zu sein, wird jedenfalls als Übersetzung für das griechische πρεσβύτερος, presbyteros verwendet. Der ahd. cotinc, sprich Goting ist eine Übersetzung für Tribun, Vorsteher (hier ist die weltliche Macht bereits klar mit im Begriff enthalten). Und der isländische goði scheint auch bereits in den frühesten Nennungen einem Häuptling an Funktionen gleich. Wenn man nun miteinbezieht, dass der christliche Priester der frühen Gemeinden natürlich auch weltlichen Einfluss hatte und die Gemeinde zusammenhielt, dann wird man allgemein für die germanischen *gudjôz gleichermaßen bereits eine Funktion als Anführer annehmen können.



    Allerdings sollte man jetzt nicht vorschnell handeln und denken: "Es gab also nur einen einzigen Priester und der hieß Gode." Gerade bei uns verwandten Religionen tauchen weitere Priester auf und selten ist ein einziger Priester für ein Ritual alleine verantwortlich (zumindest, wenn es von größerer Wichtigkeit ist). Daher will ich hier einfach mal zu unseren vedischen/hinduistischen Mit-Heiden hinübersehen:




    Dort finden wir den hotṛ, welcher Anrufungen und Gebete aufsagte. Dabei konnte es sich um einzelne Verse, ganze Strophen oder sogar Hymnen (unseren Götterliedern etwa entsprechend) handeln. Da jeder Abschnitt des Rituals eine Anrufung erforderte, hatte der hotṛ eine führende Rolle als Leiter. (Man könnte hier bereits an eine Entsprechung zum *gudjaz denken)




    Als zweiten, finden wir den adhvaryu, der alles für das Ritual vorbereitet, was es so zu tun gab, wie z.B. den Boden zu säubern, den Altar (entspricht dem *harugaz) zu errichten, die Opfergefäße vorzubereiten, das Feuer zu entzünden, das Opfertier herbeizubringen und zu töten. Jede Handlung von ihm wurde dabei durch Gebete und Segnungen (yajus) begleitet.




    Der dritte im Bunde, war der udgātṛ. Er war der Sänger, der die Hymnen nach Melodien (sāman) vortrug. Auch dies war eine gewichtige Aufgabe: Er sollte vor allem ein Loblied auf as heilige Soma vortragen (entspricht dem heiligen Met).




    Der vierte und letzte war der brahman, der als Oberaufseher das ganze Ritual überwachte. Sollte Fehler auftreten, war es an ihm durch Hilfs-Anrufungen den korrekten Fortgang zu bewerkstelligen.




    Wir sehen also: So ein (Priester-)Ritual war keine einfache und unstrukturierte Sache, wobei es natürlich einfacherer Hausrituale und Feld-/Wald- und Wiesenrituale gab - keine Frage -, die wie hier mehrere Priester erforderlich machte. Für den udgatr finden wir sogar noch eine mögliche germanischen Entsprechungen: den *þuli, altnordisch þulr. Allerdings könnte auch der altnordische Skalde oder der westgermanische *skapinaz als Entsprechungen herangezogen werden. Der ahd. scoph, scopf, scof glossiert jedenfalls poeta (Dichter) und vates (Prophet, Barde). Unser heutiger Schöffe ist noch ein ferner Nachhall davon.



    Wenn wir uns also nochmal vor Augen führen: Es gab zahlreiche germanische Bezeichnungen für priesterliche Funktionen, *þuli als Redner, Vortragenden, *skapinaz als Sänger, *gudjaz als Anrufenden. Fehlt nur noch ein Priester für die körperlichen Tätigkeiten. Aber vielleicht ist auch der schnell gefunden: Wenn auch nur als Name überliefert finden wir den sogenannten Vifill. Wo finden wir diesen Namen? In der Þorsteins saga Víkingssonar, dort taucht er als Jarl auf mit seinem Bruder, der ebenfalls Jarl ist und zufälligerweise Veseti heißt. Fällt etwas auf? Vé-seti -> Der am Heiligtum Sitzende. Kann man auch den Namen seines Bruders auf eine religiöse Funktion zurückführen? Was bisher von der Forschung (soweit ich weiß) nicht getan wurde, tue ich hiermit: Mir scheint er klar dem ahd. weibil zu entsprechen, aus dem sich u.a. der deutsche (Feld-)Webel ergeben hat wie auch der schweizerische Amtsweibel (beides eher höhere Positionen mit Befehlsgewalt). Dazu passt auch, dass ein ahd. Verb weiben die Bedeutung hat "sich hin und her bewegen". Demnach wäre der Vifil/Weibil oder urgermanisch *waibilaz - der sich hin und her bewegt (beim Opfer) [weil er einiges zu tun hat].






    Damit will ich es erstmal bewenden lassen. Was mir wichtig war aufzuzeigen: Priester zu sein damals war eher nicht eine Ein-Mann-Nummer wie bei einem katholischen Priester heute, sondern eine komplexe Aufgabe, die viel Hilfe erforderte. Man hatte auf vieles zu achten und einiges zu erledigen, je nachdem wie komplex das Opferritual eben war. Bei einem Jahresfest war mit Sicherheit auch ein König zugegen (als oberster Opferer). Was auf Island (dem Land ohne König) vielleicht dazu führte, dass die Goden enorm aufsteigen konnten (ohne König waren sie nun an höchster Stelle).

    „Hver er þessi Lögsögumaðr? Hann er einn maðr.“


    - „...og hann stendr á helgan stein.“

  • Zitat

    Was auf Island (dem Land ohne König) vielleicht dazu führte, dass die Goden enorm aufsteigen konnten (ohne König waren sie nun an höchster Stelle).


    Mein Eindruck ist auch, das dass isländische Godensystem doch zumindestens von der katholischen Kirche inspiriert ist.


    Beim Thema "Priestertum" finde ich auch wichtig anzumerken, das Priester im germanischen Heidentum nicht die unbedingte Stellung besitzen, wie es zum Beispiel in der katholischen Kirche ist.



    Grüße
    Ancarus

  • Wahrscheinlich (da sie die weibliche Entsprechung sind) die gleiche Aufgabe wie die Goden. Für den Fall, dass bei unseren Ahnen das Ritual ähnlich ablief wie bei den vedischen Priestern, dann wäre der Gode der überwachende Priester gewesen, der darauf achtet, dass der Ablauf korrekt von Statten geht. Während der Thul die Anrufungen vorträgt, der Skof/Skalde die Lieder vorsingt und der Weibel die Opfergaben darbringt.


    Wie uns das Wort Gydja lehrt, scheint es keinen prinzipiellen Unterschied gegeben zu haben, ob der Opferleiter männlich oder weiblich war. Entscheidend scheint (wie ich meine) eher die Weisheit und die Erfahrung gewesen zu sein. Vermutlich wurde man Gode/Gydja erst nachdem man beispielsweise als Weibel die Handlungen oft genug vollzogen hatte, danach die Lieder als Skof oft genug vorgetragen und schließlich als Thul die Anrufungen oft genug dargebracht hatte.


    Was sich auch logisch nachvollziehen lässt, denn: Opfer darbringen kann jeder, ganz gleich wie kundig er/sie in der Mythologie ist und ein kurzes Gebet fällt jedem leicht. Der nächste Schritt ist das Vortragen von anspruchsvollen Liedern, das muss man schon üben und die Stimme schulen. Danach kommt die Stufe, dass man zu jedem Abschnitt eines komplexen Rituals auch die passenden Verse/Strophen kennt. Der Thul muss bereits alles können, was der Skof vorträgt. Und die abschließende Stufe ist dann der Gode/die Gydja, der/die genau weiß, wie der Weibel das Opfer darzubringen hat, wie der Skof zu singen hat und wie der Thul die Anrufungen vorzutragen hat UND im Falle eines Fehler von einem der drei anderen muss er korrigierend eingreifen können. Z.B. wenn dem Skof eine Strophe oder ein Wort entfällt, dann hakt der Gode gleich ein oder wenn der Weibel eine Handlung fehlerhaft ausführt, dann greift auch hier der Gode ein. Das erklärt auch, warum ein Gode bereits eine hohe Stellung innehat. Sein produktives Dasein ermöglicht gelungene Opferrituale im großen Stil (für kleinere ist er natürlich überflüssig). Für ein größeres Jul-Fest mit Dutzenden oder Hunderten von Teilnehmern z.B. sollte das Ritual und sein Ablauf sicherlich fehlerfrei und gut einstudiert ablaufen. Der Gode ist der religiöse Dirigent sozusagen, mit dem Zusatz, dass er auch für einen Musiker, der die Noten vergisst auch weiterspielen kann. Natürlich ist dieser letzte Abschnitt von mir eher spekulativ, da wir von den germanischen Ritualen wenig Zeugnisse haben. Allerdings ist das hinduistische Opfer indogermanisch-altererbt und seit ewigen Zeiten bewahrt worden, von daher sind große Ähnlichkeiten zum germanischen Ritual doch recht naheliegend. Ich beanspruche hier natürlich nicht, dass es zu 100% so wahr. Aber für mich scheint die sprachliche und gesellschaftliche Beweislage ausreichend groß. Vor allem die verschiedenen Titel sind für mich richtungsweisend. Wozu derart viele Titel, die sogar religiöse Wörter glossieren, wie eben Skof den Vates (der unwiderlegbar religiöse Funktion hatte), wenn nicht aus praktischen Gegebenheiten? Es finden sich ja neben Vifil noch viele andere derartige Namen, die eher Titeln gleichen: Der genannte Véseti, Véstein (hier könnte man an einen Titel für den Errichter des Hörgr, der auch einfach Stein genannt werden konnte, denken), Vémund (Munt ist die Hand oder der Schutz wie im dt. Vormund, also der Schützer/Bewahrer der Heiligtums = Vé, womöglich ein niederer Priester, der für die Reinigung des Opferplatzes zuständig war und damit wiederum dem Weibel/Vifil entsprach).

    „Hver er þessi Lögsögumaðr? Hann er einn maðr.“


    - „...og hann stendr á helgan stein.“

  • Zitat

    Wie uns das Wort Gydja lehrt, scheint es keinen prinzipiellen Unterschied gegeben zu haben, ob der Opferleiter männlich oder weiblich war. Entscheidend scheint (wie ich meine) eher die Weisheit und die Erfahrung gewesen zu sein.


    Dieser Meinung bin ich auch. Gerade in spiritueller Hinsicht hatten Frauen ja großes Ansehen bei unseren Ahnen. So wurde uns ja zum Beispiel die Vóluspa von einer Frau offenbart. Die Seherin Veleda hatte ja sogar beträchtlichen Einfluss auf die Politik der Brukterer.


    In dieser spirituellen Kraft liegt sicherlich auch der Grund, warum Christentum, Islam und co die Frau so verteufeln.


    Grüße
    Ancarus

  • Stimmt die Frau ist spirituell stärker als der Mann. In den heidnischen Naturreligionen hat man das anerkannt und
    gewürdigt, in den monotheistischen Religionen wird versucht, die Kraft der Frau zu unterdrücken, nicht weil sie
    schwach ist, sondern gerade weil sie stark ist.
    Frauen wurden und werden dort von den Männern und aus dem öffentlichen Leben weg ghettoisiert.


    Grüße,


    Sjard

  • Gerade in spiritueller Hinsicht hatten Frauen ja großes Ansehen bei unseren Ahnen.


    Ich denke auch dass genau das der Fall war. Ein schönes Beispiel ist die Grabplatte von Kivik (Uppland, Schweden) aus der Bronzezeit.
    Dort ist immer wieder eine Frauengruppe angedeutet, die wichtige Schlüsselrollen während eines Rituals zu übernehmen scheinen.


    http://freepages.history.roots…n/BAdresses/Image2023.GIF


    (untere Reihe, die Steine linkerhand)


    viele Grüße!

  • Grüße,


    ich möchte hier ein weiteres, für mich sehr wichtiges Detail hervorheben. Wenn wir den christlichen Pfarrer/Priester im Vergleich mit einem altheidnischen sehen, so wirkt der christliche Pfarrer als eine Art "Abgesandter Gottes" und somit als jemand, der zwischen den Göttern und den Menschen steht. Er ist jemand, der dem Volk den Glauben überbringt und sie lehrt, was sie zu glauben haben und ihnen bekanntlich ihre "Sünden" vergeben kann und sonstige Dinge, für welche er durch seine göttliche Abgesandheit befugt ist. Der Papst, somit oberster Priester ist der Christen ist ja gar schon unfehlbar.


    Das war bei unseren Ahnen und deren Priestern nicht der Fall. Damals wie heute ist die Verbindung des einzelnen, direkt mit den Göttern das wichtigste. Priester unserer Religion sind weise, gebildet und helfen jenen, die nach Antworten suchen so weit es ihnen möglich ist. Sie sind keine Mittler zwischen Menschen und Göttern, sondern auf der Ebene anderer Menschen und stellen sich somit nicht dazwischen. Sie helfen bei Ritualen den Ablauf so zu befolgen, wie es sein sollte. Doch ist ihr Wort nicht unfehlbar und sie können auch nicht im Auftrag der Götter "Sünden" vergeben. In unserer Religion, stehen wir in direktem Kontakt mit dem Göttern, und nicht bloß mit dem Pfarrer der dann alles für uns regelt mit den Göttern.


    Dies ist zumindest meine Ansicht.


    Viele Grüße,
    Philipp

  • Zitat

    Das war bei unseren Ahnen und deren Priestern nicht der Fall. Damals wie heute ist die Verbindung des einzelnen, direkt mit den Göttern das wichtigste.


    Aber auch in der Gemeinschaft natürlich. Es gibt aus der Antike Berichte über gläubige Heiden, die sich z.B. auf Schiffen, die in heftige Stürme gerieten, fragten, ob ein "Sünder" an Bord sei, der die Götter gelästert hätte (z.B. durch Tempel-Raub oder Entweihung eines Heiligtums). Gerade deshalb mag es wichtig sein, sich als Gemeinschaft zu versichern, dass die Mitglieder zumindest ähnlicher Gesinnung sind. Das macht auch den Unterschied aus, ob man völlig Fremde zu sich ins Haus einlädt oder zu einem Bluster, bei dem alle Anwesenden zumindest "Opferbereitschaft" im Sinne haben sollten. Es mag keine Verpflichtung sein, den Göttern gegenüber zu treten in völliger Demut (stammt das Wort doch aus ahd. dio - Diener und ahd. muot - Einstellung, etc.), aber man sollte im Sinne haben, wer hier der Mächtigere ist und dann getreu sein Opfer darbringen. Rein theoretisch sind Christen hiervon nicht ausgeschlossen, man kann jederzeit also Christen zu seinem Bluster mitbringen, wenn sie mitopfern ist den Göttern die nötige Achtung erwiesen (die Kehrseite ist der Zorn, den sich Christen von ihrem eigenen "alleinigen" Gott einholen könnten, was aber den Bluster-Ausrichten nicht belangen muss).

    „Hver er þessi Lögsögumaðr? Hann er einn maðr.“


    - „...og hann stendr á helgan stein.“

  • Zitat

    Gerade deshalb mag es wichtig sein, sich als Gemeinschaft zu versichern, dass die Mitglieder zumindest ähnlicher Gesinnung sind. Das macht auch den Unterschied aus, ob man völlig Fremde zu sich ins Haus einlädt oder zu einem Bluster, bei dem alle Anwesenden zumindest "Opferbereitschaft" im Sinne haben sollten. Es mag keine Verpflichtung sein, den Göttern gegenüber zu treten in völliger Demut (stammt das Wort doch aus ahd. dio - Diener und ahd. muot - Einstellung, etc.), aber man sollte im Sinne haben, wer hier der Mächtigere ist und dann getreu sein Opfer darbringen.


    Schön formuliert.


    Zitat

    Rein theoretisch sind Christen hiervon nicht ausgeschlossen, man kann jederzeit also Christen zu seinem Bluster mitbringen, wenn sie mitopfern ist den Göttern die nötige Achtung erwiesen (die Kehrseite ist der Zorn, den sich Christen von ihrem eigenen "alleinigen" Gott einholen könnten, was aber den Bluster-Ausrichten nicht belangen muss).


    Das sehe ich wiederum anders: Wenn man Christ ist, darf und kann man den Göttern nicht opfern. Wenn ein Christ nun jedoch an die Götter glaubt und diesen opfern möchte, ist er oder sie aber kein Christ.


    Grüße
    Ancarus

  • Zitat

    Das sehe ich wiederum anders: Wenn man Christ ist, darf und kann man den
    Göttern nicht opfern.

    Ich denke, wir sehen das schon gleich. Du meinst das Verbot ja auch aus dem christlichen Kontext heraus, oder? D.h. nicht unsere Götter verbieten dem Christen, dass er ihnen opfert, sondern der Christengott verbietet den Christen unseren Göttern zu opfern. Es gibt ja zuhauf Beispiele aus der Geschichte von Menschen, die beides taten. Mancher Nordmann glaubte an Christus und betete in der Kirche zu ihm, aber opferte vor Seereisen Thor für gute Überfahrt. War das schon Gotteslästerung? Aus Sicht eines Katholiken: Mit Sicherheit. Aus Sicht eines Heiden? Anscheinend nicht, der Mann war ja erst Heide und wurde dann Christ (ohne offenkundig tiefere Kenntnisse über das Christsein zu erlangen).


    Zitat

    Wenn ein Christ nun jedoch an die Götter glaubt
    und diesen opfern möchte, ist er oder sie aber kein Christ.

    In gewisser Weise ist er dann per definitionem kein Christ mehr, weil Christen nur an einen Gott glauben. Aber wiederum nach der christlichen Logik ist Vergebung ja immer wieder möglich. D.h. der Christ kann bedenkenlos den Göttern opfern, um ihren Beistand zu erhalten und anschließend in der Kirche seine Sünde beichten, Vergebung und erlangen und den Christengott um Beistand bitten. Heuchelei? Nach christlicher Lesart ganz gewiss. Nach heidnischer Sichtweise? Nun, wie oben erwähnt, das gab es zuhauf und wurde erst durch ein stärker werdendes Christentum unterbunden. Selbst der heidnische Widerstand um die Ladejarle tat sich nicht dadurch hervor Menschen zu verbieten dem Christengott zu opfern, sondern dadurch wieder und vor allem vermehrt den übrigen Göttern zu opfern.


    Was hieße das für einen heidnischen Priester? Er würde jedenfalls keine Gesinnungsschnüffelei betreiben á la "Hast du in letzter Zeit eine christliche Kirche besucht? Wenn ja, darfst du hier nicht opfern!", sondern eher auf die historisch-belegten Makel achten, die da wären Mord, Vergewaltigung, Diebstahl etc. in letzter Zeit begangen, was klare Ausschluss-Kriterien für Opfer-Teilnahmen wären.

    „Hver er þessi Lögsögumaðr? Hann er einn maðr.“


    - „...og hann stendr á helgan stein.“

  • Zitat

    .h. nicht unsere Götter verbieten dem Christen, dass er ihnen opfert, sondern der Christengott verbietet den Christen unseren Göttern zu opfern. Es gibt ja zuhauf Beispiele aus der Geschichte von Menschen, die beides taten. Mancher Nordmann glaubte an Christus und betete in der Kirche zu ihm, aber opferte vor Seereisen Thor für gute Überfahrt. War das schon Gotteslästerung?


    So einfach ist das nicht. Es gab sehr wohl auch eine Zeit, wo Christentum als Sippenschande galt und Christen für das Betreten der (heidnischen) Heiligtümer erschlagen wurden. Die spätere immer stärker werdende Christianisierung hat einen enormen Druck auf die Menschen aufgebaut und dieser Druck wirkt heute noch immens stark. Dann kam es halt dazu, das es Menschen gab, die zwar dann Thor noch für solch eine Überfahrt geopfert haben und Sonntag trotzdem in die Kirche gegangen sind. Doch nicht aus großem Gefühl der Toleranz, sondern aus einem Gefühl der Unsicherheit und Angst.


    Natürlich heißt das nicht, das wir Christen nun feindlich gesonnen sein müssen. Jedoch gestatte ich keinem Christen die Teilnahme an den Blóts, die ich leite. Für "Nicht-Heiden" ist es dann maximal möglich, als Zuschauer beizuwohnen.


    Zitat

    Er würde jedenfalls keine Gesinnungsschnüffelei betreiben á la "Hast du in letzter Zeit eine christliche Kirche besucht?


    Da muss ich mich auf das Wort des Teilnehmers verlassen können. Jemand der regelmäßig christliche Gottesdienste, Bibellesungen usw besucht, sich auch willentlich konfirmiert und hat taufen lassen, umgibt sich Geistern und Energien, welche auf dem heiligen Blót nichts verloren haben.


    Das germanische Heidentum ist soviel toleranter, als jede der abrahamistischen Religionen, trotzdem bedeutet Toleranz nicht, das alles Möglich ist.


    Grüße
    Ancarus

  • Zitat

    Es gab sehr wohl auch eine Zeit, wo Christentum als Sippenschande galt
    und Christen für das Betreten der (heidnischen) Heiligtümer erschlagen
    wurden.

    Da muss ich dich jetzt freundlich um die Quelle bitten ;-), woher hast du das?

    Zitat

    Doch nicht aus großem Gefühl der Toleranz, sondern aus einem Gefühl der Unsicherheit und Angst.

    Nagut, ich glaube, da können wir beide uns wohl nur schemenhaft ein Bild davon machen, was genau in den Menschen vorging. Vielleicht war mancher tolerant, vielleicht war mancher ängstlich. Pauschalisierung ist ja immer beschissen ;-)

    Zitat

    Jedoch gestatte ich keinem Christen die Teilnahme an den Blóts, die ich leite.

    Das versteht sich ja ohnehin von selbst, du kannst natürlich auch jedem Heiden die Teilnahme verwehren. Es besteht ja keine heidnische Pflicht jeden zur Blusterung zuzulassen. Wir sind ja nicht die evangelische oder katholische Kirche, die per se jedem vergeben und ihn bei Reue wieder zulassen muss ;-)

    Zitat

    Jemand der regelmäßig christliche Gottesdienste, Bibellesungen usw
    besucht, sich auch willentlich konfirmiert und hat taufen lassen, umgibt
    sich Geistern und Energien, welche auf dem heiligen Blót nichts
    verloren haben.

    Was genau meinst du damit? Glaubst du, dass der christliche Gott die Macht hat negative Energie auf Gläubige zu übertragen, die diese dann zu den Opfern mitbringen? Oder glaubst du, dass christliche Gottesdiensten von Thursen und Schwarzalben begleitet werden? Da wäre ich gespannt auf deine Sicht ;-)

    „Hver er þessi Lögsögumaðr? Hann er einn maðr.“


    - „...og hann stendr á helgan stein.“

  • Zitat

    Da muss ich dich jetzt freundlich um die Quelle bitten ;-), woher hast du das?


    Nichts für ungut, aber dafür habe ich nicht die Zeit, da jetzt auch noch die Quelle raus zu suchen.


    Zitat

    Was genau meinst du damit? Glaubst du, dass der christliche Gott die Macht hat negative Energie auf Gläubige zu übertragen, die diese dann zu den Opfern mitbringen? Oder glaubst du, dass christliche Gottesdiensten von Thursen und Schwarzalben begleitet werden? Da wäre ich gespannt auf deine Sicht ;-)


    Der Gott, der Vater von Jesus sein soll, als heiliger Geist in die Gründerväter der Kirche gefahren ist usw, den gibt es nicht und somit kann der auch nicht wirken. Jetzt bitte nicht mit dem Argument kommen, das sicher hinter dem Christengott möglicherweise einer Götter verbirgt, denn das kann ja sein, trotzdem ist er dann nicht jener Gott, den die Christen da meinen, anzubeten.


    Die christlichen Rituale sind alle darauf ausgelegt (die einen mehr, die anderen weniger) sich von den Göttern zu entfernen. Gerade an den alten Taufgelöbnissen unserer Ahnen kann man das ganz drastisch erkennen, wo diese dann ja auch tatsächlich ausprechen mussten, das sie Odin, Thor und den anderen Göttern abschwören. Im schlimmsten Fall ist so jemand dann auch tatsächlich dann ohne Götterbeistand und wo die Götter nicht schützend wirken, haben Thursen und ähnliche negative Kräfte freien Zugang. Das dem natürlich nicht immer so sein muss, ist mir auch klar. Jedoch ist mir schlicht die Gefahr und die Heiligkeit des Blots zu groß, um da ein Risiko einzugehen.


    Insofern würde ich auch jedem Menschen raten, welcher gerade erst das Christentum hinter sich gelassen hat, sich langsam den Göttern wieder zu nähern und nicht gleich mit 100% einzusteigen.


    Grüße
    Ancarus

  • Zitat

    Da muss ich dich jetzt freundlich um die Quelle bitten ;-), woher hast du das?


    Nun habe ich mir doch noch Mal die Mühe gemacht. Zitat aus der Kristni Saga:
    In diesem Sommer wurde Stefnir wegen Christentums verklagt: die Klage erhoben seine Verwandten, weil das Christentum damals als Sippenschändung galt.


    Grüße
    Ancarus

  • Zitat


    Wie uns das Wort Gydja lehrt, scheint es keinen prinzipiellen Unterschied gegeben zu haben, ob der Opferleiter männlich oder weiblich war. Entscheidend scheint (wie ich meine) eher die Weisheit und die Erfahrung gewesen zu sein.

    Genau so sehe ich dies auch.


    Dieser Meinung bin ich auch. Gerade in spiritueller Hinsicht hatten Frauen ja großes Ansehen bei unseren Ahnen. So wurde uns ja zum Beispiel die Vóluspa von einer Frau offenbart. Die Seherin Veleda hatte ja sogar beträchtlichen Einfluss auf die Politik der Brukterer.

    Auf diese Ahninnen können wir Frauen stolz sein. :)


    In dieser spirituellen Kraft liegt sicherlich auch der Grund, warum Christentum, Islam und co die Frau so verteufeln.

    Es ist mit einer der Gründe, da stimme ich Dir zu. Aber nicht ausschliesslich nur dieser.





    Stimmt die Frau ist spirituell stärker als der Mann. In den heidnischen Naturreligionen hat man das anerkannt und
    gewürdigt, in den monotheistischen Religionen wird versucht, die Kraft der Frau zu unterdrücken, nicht weil sie
    schwach ist, sondern gerade weil sie stark ist.
    Frauen wurden und werden dort von den Männern und aus dem öffentlichen Leben weg ghettoisiert.

    Hallo Sjard,


    ich sehe es nicht so, das die Frauen spirituell stärker sind als die Männer. Spirituelle "Stärke" findet ihren Raum bei Frau und Mann gleichermassen. Frauen haben nur den Vorteil, das sie sich in diesen Bereichen sicherer und instinktiver bewegen und somit das Wesen des Spirituellen besser/schneller be-greifen und umsetzen. Die meisten Männer müssen sich diese Fähigkeit erst anlernen/antrainieren. Das hat mit "Stärke" nichts zu tun, die kann im Endeffekt bei beiden Geschlechtern gleich verteilt sein, denke ich. :)


    Gruss Salgard

  • Hallo Ancarus,


    da habe ich noch eine Ergänzung: Frauen sind ebenfalls die bevorzugte Zielgruppe von Möchtegern-Gurus. Plastik-Schamanen etc. Da schlägt man(n) oft zwei Fliegen mit einer Klappe - man kann die Ladys vernaschen und zugleich um ein paar interessante Infos/Techniken erleichtern, die man in sein - oft nicht vorhandenes - Profil nahtlos mit einbauen kann. :D


    Ist ja auch kein Zufall, oder? ;)