Germanische Zaubersprüche

  • Hallo Freunde,


    Ich möchte hier ein Thema eröffnen das germanische Zaubersprüche sammelt beinhaltet und würde mich
    über einen regen Austausch und Ergänzungen freuen.


    Als erstes wären wohl die Merseburger Zaubersprüche zu nennen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Merseburger_Zaubersprüche


    Als zweites der Zauberspruch von Högstena, der aus der ersten
    Hälfte des 12 Jahrhunderts stammt und auf einer Kupferplatte
    1920 gefunden wurde. Die Übersetzung der Runen lautet wie folgt:


    Thor weihe Runen


    für den zaubernden


    für den gehenden


    für den reitenden


    für den rennenden


    für den segelnden


    für den fahrenden


    für den fliehenden




    Das mal als erster Anfang. Welche Zaubersprüche kennt ihr noch ?


    Grüße


    Sjard

  • Ich habe nach einem Spruch, der mir vor einiger Zeit mal (auf deutsch) begegnet ist, eine eigenen Abwehrspruch gegen Allergie oder Entzündungen allgemein komponiert:










    Surtar atall sefi  




    hvarr svíðar,  




    í dag jæja  




    á þat digrlægi,  




    ek kveði hár,  




    og hrökki þik,  




    farðu heðan ǫrr  




    at ǫnnum stað  




    Er folgt dem Stabreim und hat damit (wie ich glaube) religiös-germanischen Charakter. Die Übersetzung im Deutschen wäre:


    Surts böser Verwandter


    brennt überall.


    Heute also


    an dieser geschwollenen Stelle.


    Ich rufe laut


    und vertreibe dich.


    Verschwinde jetzt milde


    an einen anderen Ort.




    Surts böse Sippe


    überall schwelt.
    Heute also


    an jenem Harm.


    Ich ruf es laut


    und lass dich zieh'n.


    Fahre fort in Ruhe


    zu andern Räumen hin.




    Einmal wörtlich, einmal stabreimend übersetzt. Surts Verwandter ist das Feuer, das Brennen. Harm ist die Verletzung oder der Schmerz. Betont werden immer die dickgedruckten Wörter. Dass sich zieh'n auf hin endreimt war nicht beabsichtigt ;-)

    „Hver er þessi Lögsögumaðr? Hann er einn maðr.“


    - „...og hann stendr á helgan stein.“

  • Hallo Sengwareis,


    danke für deine Ergänzung. Finde diesen Zauberspruch wirklich kraftvoll.


    Ich bin auch noch fündig geworden und zwar in einem Pergament der königlichen
    Universität zu Wien aus dem Jahre 1858. Es stammt aus dem 9 Jahrhundert und
    ist auch ein germanischer Zauberspruch:


    Naria Ziso
    domno Ziso prechanter, naria !
    fuberi far
    garuaui den in fife.


    ( in nomine dextera domine)


    Wuotan wart gaboren
    Er wolf ode diob
    Do was Hirmin
    Wuotannes hirti
    Wuotan unta Hirmin
    der gawerdo,
    Walten hiuta dero hunto
    dero zohono
    Daz ni wolf noh wlpa
    Za scedin werdan nemegi
    So wara siu geloufen waldes
    Ode weges ode heido


    auf hochdeutsch:


    Rette Ziso
    Herr Ziso du strahlender, rette !
    Der Schlangen Kehle
    säubere sogleich
    mache sie ruhig in der Höhle


    ( Ziso = Zies = Tyr )


    Wuotan ward geboren
    früher irgendein ein Wolf oder Dieb.
    Damals war Hirmin Wuotans Hirte.
    Wuotan und Hirmin, der gleichwerhte,
    möge heute walten der Hunde und der Hündinnen,
    auf dass nicht irgend ein Wolf oder
    Wölfin zu Schaden werden könne,
    wenn sie irgend wohin laufen sollten
    in ein Theil des Waldes oder Weges oder
    der Heide.
    Wuotan und Hirmin
    möge mich heute, so wie stets bisher,
    gesund heim schaffen.



    Quelle: Aus dem Dezemberheft des Jahres 1858 der Sitzungsberichte
    der philosophisch-historischen Klasse der kaiserlichen Akademie
    der Wissenschaften Wien.
    Titel: Deutsche Sprachdenkmale aus heidnischer Zeit
    von Th. G. von Karajan.



    Grüße


    Sjard

  • Wer sich für altenglische heidnische Zaubersprüche interessiert, dem empfehle ich bei
    Google mal "Metrical Charms" einzugeben. Da wird man schnell fündig und findet z.B.
    Zaubersprüche gegen einen Hexenschuss mit Namen wie "haegtessan gescot".


    Für die germanischen Zaubersprüche noch eine Buchempfehlung:
    " Ich Beswer dich Wurm Vnd Wyrmin ... Formen und Typen Altdeutscher Zaubersprüche
    und Segen ( Wiener Arbeiten zur germanischen Altertumskunde und Philolog )
    von Verena Holzmann.


    Ist allerdings teuer und schwer zu finden, da nur ein paar hundert Exemplare existieren.


    Asenheil


    Sjard

  • Hallo,


    leider kann zu den bisherigen Eintragungen nichts beitragen.
    Ich habe jedoch eine Frage.
    Wie wendet man denn diese Zaubersprüche an?
    Sagt man sie einfach auf und legt die Hände über die (z.B.) schmerzende Stelle oder wie funktioniert das?
    Gibt es da irgendwas zum einlesen? Weil grundsätzlich finde ich gerade die Sache mit dem Hexenschuss sehr interessant und weiß aber nicht, was ich machen muss...

  • ich habe leider immer noch kein i-net zuhause, werde aber sobald ich es habe ein par aus verschiedenen sagas beisteuern.

    Ich binn nur für das verantwortlich was ich schreibe und nicht für das was ihr versteht!!!
    Wenn ich meine Meinung abgrenze darf dieses gerne wörtlich genommen werden

  • Wie wendet man denn diese Zaubersprüche an?


    Meines Wissens gibt es da unterschiedliche Möglichkeiten. Ich glaube es liegt auch immer daran, welchen Zauberspruch man anwendet. Verwendet man zum Beispiel den Spruch gegen eine Allergie, dann würde ich aufsagen während ich z.B. eine natürliche Creme auf den Ausschlag auftrage, um ihre Wirkung zu verstärken. In anderen Kulturen werden Zaubersprüche zur Heilung auch während Räucherungen oder der Einnahme von Medizin aufgesagt. Wichtig dabei ist meiner Meinung nach die volle Konzentration auf den Spruch und seine Wirkung, also so wie bei Harry Potter einfach im vorbeigehen einen Spruch zu bringen ist wohl nicht sehr wirksam.


    Ich kann nicht sagen, ob es immer unbedingt nötig ist den Spruch mit Medizin oder sonstigen Mitteln zu verbinden, aber zu Anfangs ist es sicher einfacher sie zu verwenden um Wirkungen zu verstärken, anstatt sie als alleinige Wirkung zu nutzen.


    Viele Grüße,
    Philipp

  • Heil.

    Das ist ja schon ein altes Thema,

    aber wo ich gerade von den Merseburger Zaubersprüchen gelesen habe, ist mir eingefallen, das man den zumindest, bei dem es darum geht, ein verletztes Bein zu heilen, 3 mal hintereinander aufsagen oder Singen soll.

    Eine weitere Möglichkeit wäre es wohl auch, Zaubersprüche auf Papier/ Pergament zu schreiben (am besten in Runen) und bei sich zu tragen (z.B. Schutzzauber) oder zu zerkleinern und ins Essen zu geben (Heilzauber).

    Unterstützend könnte man auch bestimmte (zusätzliche) Runen, bzw. andere Schutz-/Zauberzeichen* mit dazu zeichnen.

    Als Tinte würde sich natürlich (bei Runen) die Farbe Rot eignen.


    *Isländische Zauberzeichen gibt es ja beispielsweise, recht viele.


    Asengruss: Widulf

  • Heil.

    Da ich gerade umziehe und meine alte Wohnung nach und nach leerräume,

    bin ich gestern in einer Kiste, wieder auf ein Buch gestossen, das ich schon fast vergessen hatte:

    " Magische Heilkunst- das uralte Wissen der Hexen und Heiler, für Menschen von Heute" von Claire, im Ansata- Verlag von 2013.

    Ich interessiere mich eigentlich nicht groß für die Heilkunde, finde aber das eine grobe Übersicht, quasi zur " heidnischen Allgemeinbildung" gehört, weshalb ich dieses Buch dann ja auch gekauft habe.

    Ich hatte ursprünglich überlegt, es im Bereich für " Schriften zum germanischen Heidentum " zu erwähnen, aber genau genommen ist es nicht direkt heidnisch, obwohl schon auf das Thema Heilgottheiten eingegangen wird.

    Aufjedenfall ist dort neben rituellen Handlungen und Kräuterwissen aus der deutschen Volksheilkunde auch einiges an alten, traditionellen Zaubersprüchen zu finden; gegen Warzen und was auch immer.


    Gruß: Widulf

  • Heil.

    Da es bei uns im Garten heute nicht viel zu tun gibt, hab ich mir mal die Zeit genommen, ein paar (authentische) Sprüche aus dem schon erwähnten Buch zu verschiedenen Themen herauszusuchen.


    Beschreiung:

    a) " Freund, bist du beschrien in deinem Bein und in deinen Lungen

    und in deiner Leber;

    hat es dir ein böses Weib getan, oder hat es dir ein böses Mädchen getan,

    oder hat es dir ein böser Mann getan,

    oder hat es dir ein junger Knabe getan,

    So stelle es ihnen heim

    In ihre Lungen und ihre Leber,

    darin soll es ewiglich kleben."

    b) " Wer hat dich beschrien?

    Dem geht's selber an die Nier'n.

    Wer hat dich beschrien, Weib oder Mann?

    Dem geht's selber an.

    Wer hat dich beschrien, Dirn oder Knecht?

    Dem geht's selber schlecht."


    Böser Blick:

    a) " Böses Auge, böses Auge,

    gehe zu dem einsamen Berg,

    wo die Vögel nicht singen,

    wohin der Mensch nicht kommt."

    b) " Zwei böse Augen haben dich verrufen,

    zwei gute Augen rufen dich zurück."


    Feuer/ Brand:

    " Brand, fall in den Sand,

    fall in den Fahrweg, fall ganz und gar weg.

    Ich nehme diesen Brand

    und werfe ihn in den Sand."


    Fieber:

    " Fieber, Fieber!

    Ich sage dir: verlasse mich!

    Gehe, schüttle graue Steine!

    Gehe, schüttle Baumstümpfe im Walde!"


    Husten:

    " Husten, geh heraus!

    Du Husten des (...)* kratze nicht dem (...)

    den Leib!

    Husten, geh heraus!

    Du Husten des (...), kratze nicht dem (...)

    den Knochen!

    Du Husten des (...) kratze nicht dem (...)

    das Herz!

    Geh das Meer entlang, kratze die Steine des Meeres, kratze den Meeressand!

    Die sind dir schmackhafter als der Leib

    des (...)."


    * Name des Kranken


    Flechten (Schuppenflechte,

    Neurodermitis u.ä.):

    " Flechten, Flechten scheret euch!

    Meine Hände jagen euch,

    sie jagen euch bei Tag und Nacht.

    Drum Flechten, Flechten, Flechten,

    scheret euch von mir Weg!"


    Warzen:

    a) " Was ich hier bespreche,

    das vergehe,

    womit ich es bespreche,

    das bestehe."

    b) " Was ich sehe, vergehe;

    was ich streiche, weiche!"


    Das waren nur ein paar Beispiele, aber es scheint dort kaum ein Leiden oder eine Krankheit zu geben, zu der nicht irgendein Zauberspruch überliefert ist.

    Zum Glück musste ich die Wirksamkeit bisher noch nicht überprüfen- würde mich aber mal interessieren ob da was dran ist.


    Gruß: Widulf

  • aber sind alte, überlieferte Zaubersprüche aus der Volksmagie

    nicht allgemeines Kulturgut?

    Das kommt darauf an, wie sie aufgearbeitet und publiziert werden. Ich bin aber halt kein Jurist und möchte es gerne vorab vermeiden, verklagt zu werden.


    Grüße

    Ancarus